Freitag, 10. Febr. 2012 | 19.30
in der
Bibliothek des Ruhrgebiets
im Haus der Geschichte des Ruhrgebiets
Clemensstr. 17-19
44789 Bochum

Erlesenes aus der Bibliothek des Ruhrgebiets

Im Mai 2010 erschien der Band mit Literatur zum Ruhrgebiet bei KLARTEXT-Verlag unter dem Titel: «Über Tage in der Metropole Ruhr» und enthielt ausgesuchte Texte aus dem Literaturwettbewerb: «die schönsten Texte übers Ruhrgebiet». Darunter waren Texte von: Nina Behrmann, Maren Bielarz, Jens E. Gelbhaar, Simone Hollenhorst, Susanne Krueger, Enis Maci, Moritz Mannhardt, Roman Milenski, Matthias Möde, Michael Moll, Frauke Pahlke, Jonas Podlecki, Julia Sandforth, Michael Spyra, Jörg Stanko, Michael Starcke, Willi Thomczyk, Victoria Del Valle, Jan Wilms.

Eine Auswahl der besten Beiträge präsentierten die Herausgeber in der Anthologie und machten deutlich, dass das Ruhrgebiet alles sein kann - nur nicht langweilig. Hübsch, hässlich, alt, neu, kulturell, interessant, witzig, dreckig, gewöhnlich oder schrecklich - es kommt halt auf den Blickwinkel an!

«Über Tage» folgen nun die Ergebnisse des 2. Literaturwettbewerbs die «Druckstellen - "Leb im Ballungsgebiet, das an Druckstellen wie Fallobst aussieht."»

Darin vertreten die Literatin Selin Gerlek, deren Text den dritten Platz im Wettbewerb belegen konnte.
Freiheit in der Voliere und ein munteres Plappern...
Selin Gerlek lebt in Mülheim und studiert im 3. Mastersemester Philosophie und Komparatistik an der Ruhr-Uni. Offen und mit einer ausgeprägten Begeisterung für die Welt, die sie umgibt, erzählt sie von ihrem sprudelndem Innenleben, aber auch von den Fragen, mit denen sie sich beim Schreiben und in ihrer wissenschaftlichen Arbeit rund um Schreiben und Sprache auseinandersetzt. Sie begeistert sich neben Literatur und Philosophie für Vögel - in ihrer Wohnung steht eine riesige, lebhaft bevölkerte Voliere. «Vögel begleiten mich seit frühester Kindheit. Ich liebe ihr munteres Plappern. Mit ihnen verbinde ich vor allem Freiheit», sagt Selin Gerlek.
DER WESTEN.DE

Einer «bunte[n] Tüte literarischer Klümpchen...» (so der KLARTEXT-Verlag auf der eigenen Homepage über das erste Buch des Literaturwettbewerbs) folgen nun die Druckstellen des Fallobstes, angebräunt und kurz vor dem Beginn der Fäulnis. Das muss eine spezielle Form der Ruhri-Bescheidenheit sein, eine Form der Selbstreflektion, die dem Currywurst-Spezial und Pommes rot-weiß gespeisten Selbstbewusstsein folgt. Erinnern wir uns doch noch einmal an den Bratwurstprovinzialismus, mit dem das Ruhrgebiet sich in Europa als Metropole zu präsentieren hoffte:

So changieren auch die Werbetexte für den Literaturwettbewerb des Ruhrgebiets, der weit über die Grenzen der Region hinaus Austrahlung hat, zwischen Selbstbescheidung und Selbstüberschätzung. Im Einladungstext zur Lesung ist zu lesen, dass die Autorinnen und Autoren sich selbst und das Ruhrgebiet nicht immer allzu ernst genommen hätten. Das ist schade: sich selbst und etwas ernst nehmen und sich dennoch ironisch zu äußern und humorvoll zu sein sind und bleiben zwei unterschiedliche Dinge. Und diesbezüglich sind die Kulturmacher des Ruhrgebiets noch ein wenig tapsig auf dem Metropolenparkett, das sie sich selbst zu legen versuchen.

Während sich im übrigen über 380 Menschen beim ersten Literaturwettbewerb beteiligten ging die Zahl nach 2010 auf über 160 zurück. Die Preise gingen dieses Jahr an Marie-Christin Fuchs, Hamburg (1. Platz), Artur Krutsch, Dortmund (2. Platz) und Selin Gerlek, Bochum sowie Michael Spyra, Flensburg/Leipzig (gemeinsam 3. Platz).

Die Lesung umfasst neben den vier Gewinnertexten weitere ausgewählte Beiträge, inszeniert von der elfköpfigen Lesetourmannschaft gemeinsam mit den Autoren.

Gefördert wurde dieser Literaturwettbewerb vom Steeler Antiquariat, Essen.