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Ein Bild hält uns gefangen.hier zum Download Von der Keilschrift und vom Einritzen der Buchstaben in Steine und Tontafeln, über das Schreiben auf Leder, Papyrus und Papier ist einige Zeit vergangen. Über die Technik des Schreibens im wahrsten Sinne des Wortes innerhalb der Literatur selbst schreibend nachzudenken, ist nicht gerade eine neue Erfindung. Wo sich Literaturproduktion selbst thematisiert oder Literaturschaffende über ihren Schaffensprozess in Tagebüchern, Briefen, (fingierten) Gesprächen äußern, entsteht immer auch ein Bewusstsein für Literatur, selbst wenn nicht alle Selbstaussagen aufklären wollen und können, sondern auch der Selbstinszenierung und Mystifizierung des literarischen Schaffens dienen. Von Ludwig Wittgenstein stammt der Topos, dass Menschen von Bildern festgehalten werden können, dass Bilder und Metaphern das Denken in ihren Bann ziehen. Welches Bild von Literatur hält diejenigen Menschen gefangen, die einen Literaturkalender für 2010/2011 herausgeben und auf der Titelseite ihres Kalenders Tintenfass, Federkiel und altertümliches Papier mit ausgefransten Rändern abbilden? Was möchten sie damit dem Betrachter sagen? Oder dem Betrachter vermitteln? Ist die Zeit in der Literaturproduktion und Literaturpräsentation (in Bochum) stehengeblieben? Oder halten die Macherinnen und Macher des Kalenders an nostalgischen Bildern bewusst fest - nicht, weil sie von ihnen gefangengehalten werden, sondern weil sie sich dem i-pod-zeitalter widersetzen und nicht ihre Bücher, Musik oder Filme komplett auf ihr Handy überspielt bekommen wollen, sondern das gute alte und ein wenig mystifizierte Buch dem elektronischen Schnickschnack vorziehen? Immerhin hätte dies eine Beziehung zu den fundamentalen Werten des Abendlandes in der Gestalt des «Buches der Bücher». Selbst Gutenberg druckte als erstes nicht irgendein Buch, sondern eben dieses eine jene. Aber einem solchen Federkiel-Fundamentalismus kann man be(un)ruhigend die Hand auf die Schulter legen: es gibt auch www.bibel-online.de! Wahrscheinlicher aber ist, dass die Bochumer sich bei der Wahl ihres Titelbildes für den Literaturkalender gar keine Gedanken gemacht haben: «Wieso? Ist doch schön!» Das wäre nicht untypisch für die hiesige Literaturförderung - dieser «Stadt des Wortes» im Kulturhauptstadtjahr. In der Tat huldigt man hier einem Literaturideal, das diesen Namen nicht verdient. Aber ein Sammelsurium von Veranstaltungen und Veranstaltern ist auf dem Markt, und BOGESTRA kutscht das geneigte Publikum bis zur nächstgelegenen Haltestelle vor dem Veranstaltungsort und übernimmt sogar das Layout des Literaturkalenders, um als Sponsor auftreten zu können. Der geschickten Vermittlung des Kulturbüros sei dank. |