Frankfurt in Leipzig - Kulturfenster in der Mayerschen Buchhandlung Essen


Ein Interview mit dem Schriftsteller Jo Ziegler über seine Erfahrungen im «Mayerschen Kulturfenster». Es ist mittlerweilse das dritte Interview, das Jo Ziegler dem KULTURPROGRAMM gibt. Das erste Interview fand Anfang Juni 2008 kurz nach seiner ersten Lesung im im Textzentrum statt. Da sprach Jo Ziegler über seine künstlerischen Ambitionen und Absichten, und das Interview endete mit der Bemerkung der KULTURPROGRAMM-Redaktion: «Na, da sind wir aber gespannt.» Ein zweites Gespräch mit ihm wurde vom Schreibhaus in der Werkschau des Künstlers publiziert, die den Titel Das Kulturfenster | Dokumente kultureller Kooperation | Ein Materialienbuch zu Jo Zieglers Trilogie «Die Ruhr-Magier» trägt. Darin sagt der auf seine Kunst und Kreativität Befragte:

«JO ZIEGLER: "Na, da sind wir aber gespannt", verblieb mir als letzter Satz jenes Interviews im Ohr und, wenn ich mich recht erinnere, stand ein gefühltes Fragezeichen inklusive eines Ausrufungszeichens am Ende des Satzes.»

Und er beseitigt Schlag auf Schlag die obstruktiv anmutenden Zweifel, indem er knapp zwei Jahre später seine geplante Trilogie komplettiert und schon das nächste Publikationsprojekt in Angriff nimmt. Die Trilogie ist nun im «Verzeichnis Lieferbarer Bücher» und über den Buchhandel oder das Schreibhaus beziehbar.

Vom 17. bis zum 20. März 2010 präsentierte Jo Ziegler seine Arbeiten im Kulturfenster der Stadt Essen in der Mayerschen Buchhandlung. In Leipzig auf der Buchmesse sprach Jo Ziegler mit dem KULTURPROGRAMM über seine Kulturfenster-Erfahrungen.


KULTURPROGRAMM: Lieber Jo Ziegler, war der Satz: "Na, da sind wir aber gespannt" für Sie eine Beleidigung?

Jo Ziegler: Nein, ein Ansporn. Klar ist, dass ich ihn unmöglich auf mir sitzen lassen konnte. Das zweifelnde Fragezeichen war nicht zu überhören. Aber es ist Schnee von gestern! Sollen wir über mein neues Buchprojekt «Großer Mann - Kleiner Mann» sprechen? Die Ruhr-Trilogie ist ja bereits erschienen und arbeitstechnisch und unter dem Aspekt der Kreativität betrachtet auch Schnee von gestern.

KULTURPROGRAMM: Aber die Lesung, auf der Sie die Trilogie insgesamt vorstellen wollen, hat noch nicht stattgefunden.

Jo Ziegler: Nein, die Lesung ist für den 29. April 2010 im Textzentrum-Essen anberaumt. Aber die Bücher lagen mit meiner Werkschau schon in der Mayerschen Buchhandlung aus. Wie schon gesagt: Meine Einfälle sammele ich nicht in Zettelkästen! Ich kann mich dem Motto der Frankfurter Buchmesse in Leipzig: «Ideen-Menschen-Märkte» sehr gut anschließen.

KULTURPROGRAMM: Wie Sind Ihre Eindrücke vom Kulturfenster? Und wie waren die Reaktionen?

Jo Ziegler: Das Kulturfenster - ja, es hat mich zu der Werkschau bewegt, die nun ganz nebenbei und außerplanmäßig entstanden ist.

Die Tage in der Mayerschen waren sehr ruhig - leider... Zu ruhig. An der freundlichen Aufnahme und Kooperationsbereitschaft von Seiten der Buchhandlung mangelte es nicht. Das Publikum aber ist auf eine für mich überraschende Art reserviert. Fehlt es an Neugier? Oder haben die Menschen in diesen schweren Zeiten keinen Nerv mehr? Ich kann's nicht sagen. Leider hat sich die Presse auch sehr reserviert gezeigt.
Aber die Idee des Kulturfenster, die Kooperation zwischen dem Kulturbüro Essen und der Mayerschen Buchhandlung halte ich für sehr gut. Auch das Ambiente in der Buchhandlung war sehr ansprechend. Ich war sehr gerne im Kulturfenster, hätte mir aber eben mehr Diskussionen und Gespräche gewünscht.

An Material und Öffentlichkeitsarbeit von unserer Seite hat es meiner Meinung nach nicht gefehlt. Das Kulturbüro Essen gibt für die im Kulturfenster ausstellenden Künstler ein Plakat heraus. Und das Schreibhaus produzierte natürlich auch Flyer. Die Auslage war reichlich gefüllt. Nur mangelte es an Feedback.
KULTURPROGRAMM: Sind Sie nun frustriert?

Jo Ziegler: Ach was! Aber nein! Das Material auszustellen, sich zu präsentieren allein macht schon viel Spaß.

Außerdem habe ich auch viel Freude an den Druckerzeugnissen selbst. Die druckfrischen Faltblätter und Bücher sind wirklich ein Erlebnis der ganz besonderen Art. Ich sehe sie gerne, ich rieche sie gerne, ich präsentiere sie gerne.

KULTURPROGRAMM: Also kann Sie das Publikum mal am Hobel blasen?!

Jo Ziegler: Was?! Nein!!! Natürlich nicht! So ein Quatsch! Die Bücher, die Flyer, die Plakate, die Lesungen - das alles ist doch für das Publikum gemacht. Ich möchte meine Freude mit anderen teilen. Kunst ist Kommunikation. Und kein Selbstgespräch.
Ich hatte im Kulturfenster auch nicht das Gefühl, dass das Material kein Interesse fand. Es gab keine Gespräche, und keine Pressemeldungen. Das ist für mich ein Hinweis darauf, dass es noch an der Kunst- und Kulturatmosphäre hapert und mangelt. In Leipzig sieht es dagegen anders aus. Schauen Sie die Buchmesse an! Daran hat die ganze Stadt anteil. Ganz Leipzig liest und diskutiert. Es finden Publikumsgespräche statt. Da köchelt die Kommunikation auf einer ganz anderen Stufe. Ich weiß nicht, ob das nicht auch an so etwas wie dem Leipziger Literaturinstitut liegt und an dem vielen Buchhandwerk.
Buchdrucker, Buchbinder, Schriftsteller - sie alle bilden ästhetisch und atmosphärisch eine Einheit. «Hier bin ich Autor, hier könnte ich sein» so ganz frei nach Goethe, könnte ich es sagen. Aber wie gesagt: die Betonung liegt auf KÖNNTE! Leipzig ist nicht meine Heimat. Hier könnte ich höchstens eine Woche sein. Dann zöge es mich aber wieder ganz dringend ins Ruhrgebiet zurück. Aber ich muss schon sagen: Die kulturelle Atmosphäre in Leipzig, insbesondere die auf der Buchmesse hat mir gut gefallen.
KULTURPROGRAMM: Aber als Autor möchten Sie nicht in Leipzig sein?!