Goldschmiede • Schmuckdesign • Malerei




Beata Binczyk
Die Ausbildungsstationen der diplomierten Goldschmiedin Beata Binczyk waren Warschau und Zürich. Sie arbeitete mit Juwelieren in Oberhausen, Bottrop und Kevelaer zusammen.
Später widmete sich die Schmuckdesignerin auch der Malerei und erweiterte ihr Betätigungsfeld vom Kunsthandwerk zur Kunst. Eine Entwicklung mit innerer Logik.
Beata Binczyk beschäftigt sich in ihren Arbeiten als Goldschmiedin wie auch als Malerin mit Fragen der Gebräuchlichkeit von Kunst, von Zweckorientierung und Metaphysik. Es gibt ein Bild von Platon und Aristoteles, in dem sie nebeneinander spazieren gehen. Der eine von ihnen, nämlich Platon weist mit seiner Hand Richtung Himmel. Der andere, Aristoteles, Richtung Erde. So bewegt sich nicht nur die philosophische Welt zwischen Himmel und Erde, zwischen dem Ideenreich oder Himmelreich und der Mutter Erde, die uns nach unserem Leben wieder in sich aufnimmt. Auch Beata Binczyk stellt sich so manche Frage nach Sinn und Unsinn des Lebens, nach dem, was Sinn und Zweck ausmacht, und ob nicht immer eine Linie - selbst in dem Gebräuchlichsten aus der Trivialität Richtung Himmel weist.
Schmuck zum Beispiel fällt selbst nicht direkt unter "Hohe Kunst". Aber Schmuck ist auch kein alltäglicher Gebrauchsgegenstand wie eine Kaffeekanne. Aber alltäglich ist sie schon und ganz elementar für die Kultur. Wenn Archäologen Ausgrabungen machen, finden sie häufig neben Vasen und Karaffen Schmuck, was ihnen Auskunft über die vergangenen Kulturen gibt.
Alles pendelt zwischen Gebrauch, Nutzen - zwischen Gebrauch und dem Schönen, Himmlischen.
So lässt sich Beata Binczyks Œvre annähernd umkreisen. Und auf die Frage, was denn mit dem Hässlichen sei, schüttelt sie den Kopf. Das sei wie mit Gott und Teufel. Wer kenne schon das genaue Verhältnis zwischen den beiden? Schließlich stecke doch überall der Wille des Allmächtigen, und das Himmlische könne auch schrecklich sein, und das Schreckliche schön.

So ist Schmuck für Beata Binczyk alltäglich, aber nicht trivial. Alltäglich ist eben nicht immer alltäglich - nicht gewöhnlich. Wie eine Vase oder Kaffeekanne als Gebrauchsgegenstand schön designed sein kann und über das Gewöhnliche hinausweist, so kann Schmuck erst recht Kunst sein und Richtung Himmel weisen, ist aber auch andererseits ein Gebrauchsgegenstand in der ästhetischen und sozialen Selbstinszenierung der Menschen. Und nicht selten hat Schmuck auch religiöse Bedeutung. Von der Kennzeichnung sozialer Hierarchien ganz abgesehen. Das ist für die Künstlerin die vierte oder fünfte Dimension eines Gegenstandes.




In ihrer Visualisierung der Tierkreiszeichen auf der Leinwand in ihrer Malerei tritt ein weiterer Aspekt zutage: die Bedeutungskette der Erscheinungen kann auf eine schmucke Weise in transzendente Dimensionen führen. Auf ihrem Bild "Skorpion" verselbständigen sich das Gegenständliche und Abstrakte in einem seltsamen Wechselspiel. Das vorherrschende Rot erinnert wie die Scheren, die gegenständlich gemalt sind, an Scheren eines Krebses und das Rot an Krebsrot. Der Skorpion selbst wird pars pro toto nur noch durch die Scheren symbolisiert, die aber keineswegs eindeutig auf einen Skorpion hinweisen -wie gesagt, es könnten auch die Scheren eines Krebses sein-, während auf der linken Schere Blau, Grün, Hellblau und Weiß wie aufgetragene Pinselstriche liegen und das Gemalte des Bildes romantisch ironiesieren, sind die kräftigeren Farben in der rechten Schere wie gefangen oder abgeschnitten. Hier wirken sie auch nicht mehr nur als Pinselstriche, sondern ähneln schon viel mehr Blättern einer Pflanze.
Das Bild vereint in sich Symbolisches, Metaphorisches, Gegenständliches, ist aber keineswegs eindeutig, da der Skorpion nicht wie sonst durch den üblicherweise mit ihm assoziierten Stachel dargestellt wird, sondern durch seine Greifwerkzeuge. Damit entsteht ein vielschichtiges Bild mit unterschiedlichen Bedeutungsdimensionen, wobei die Künstlerin mit Bedeutung und Konvention spielt, indem sie eben den Skorpion nicht durch den Giftstachel repräsentiert, sondern durch krebsartige Scheren.


Afrikanischer Skorpion (Heterometrus indus) | Original size: 11.5 x10.5 cm² | Originator: T. F. Zimmermann | Source: Naturgeschichte des Thierreichs, 1876 Quelle Wikipedia


Beata Binczyk, Skorpion

Indem sich Beata Binczyk in einigen ihrer Bilder den Tierkreiszeichen zuwendet, folgt sie mit ihrem künstlerischen Blick der platonischen Geste gen Himmel, nicht nur auf der Suche nach der Metaphysik eines Ideenreiches, sondern auch im Hinblick auf die Metaphysik der Zukunft. Ist sie in den Sternen festgeschrieben? Haben die Sternenkonstellationen bei unserer Geburt Einfluss auf unseren Charakter, der sich in unsere Seele schicksalhaft einbrennt? In ihrem Bild Widder bekommt das Widderhorn etwas Fossiles, es versteinert und verschmilzt mit dem Hintergrund, während der untere Teil des Bildes dem Element Wasser gewidmet zu sein scheint. Versteinerung und Fluss - zwei elementare Pole unseres Daseins neben Himmel und Hölle sprich Luft und Feuer.


Beata Binczyk, Widder

Ihr blauer Stier scheint das Wasser als Urelement in eine Form gegossen zu haben, der man im Bild frontal begegnet und unweigerlich den Eindruck der Urgewalt bekommt. Der Hintergrund besteht aus Mauerwerk eines ins Rosa verblassenden Gebäudes, das Arkaden andeutet. Der Stier ist in einen surrealen Kontext getreten und könnte von hier aus auf den Betrachter los marschieren, um ihn auf die Hörner zu spießen. Auch die Perspektive verheißt Alptraumhaftes, weil sich der Stier mit dem Betrachter mindestens auf Augenhöhe befindet, wenn nicht gar ihm ein bißchen von oben in die Augen schaut. Sein Blick aber ist bei aller dargestellten Kraft nicht dämonisch feurig, sondern hat einen Hauch von Nachdenklichkeit, die sich wie eine Frage an sein Gegenüber richtet. Aber es ist auch eine Frage mit einem Ausrufezeichen, als wollte er uns sagen: «Warum hast du das getan?!», worin auch eine gewisse Herausforderung liegt. Schließlich will man nicht klein beigeben, nicht den Blick mit schlechtem Gewissen senken und weitergehen zum nächsten Bild. Der Stier zieht uns in seinen Bann, fordert Antworten, verlangt uns durch seine Macht und Kraft etwas ab. Es könnte so etwas wie eine tiefe Ehrlichkeit sein.
Die Mauern im Hintergrund, die Arkaden könnten zu einem Kloster gehören. Doch das Gebäude hat angesichts des Stiers an Bedeutung verloren. Die elementare Urgewalt steht vor uns und will, dass wir unser Innerstes nach außen kehren. Da treten von Menschenhand errichtete Gebäude, egal, wie mächtig sie sonst wirken mögen, in den Hintergrund, verblassen, werden schemenhaft. Vielleicht könnten wir den Stier mit einem Apfel besänftigen, tasten unbeholfen wie Lausbuben unsere Taschen ab, wissend, dass wir nichts finden werden, womit wir den Stier besänftigen könnten. Vielleicht sind wir seinem Wohlwollen ausgeliefert.

Beata Binczyk, Stier

Das Bild der Waage hingegen geht ganz anderen Themen nach. Ausgleich und Berechnung treten in den Vordergrund. Fast quadratische Rechtecke in Rotbraun, Braun, Grau, Weiß füllen das Bild, in dessen unterem Drittel die Waage platziert ist. Die Waagschalen verflüchtigen sich fast ins Abstrakte, und die Waage selbst scheint ihrer Funktionalität enthoben zu sein, da die Wippe sich in der Waagrechten befindet, die Waagschalen aber auf unterschiedlichen Höhen liegen. Ohnehin sind sie nicht mehr mit der Wippe durch Ketten verbunden; sie schweben, sie sind losgelöst. Wer in diese Waagschalen etwas wirft, kann sich der Ausgewogenheit nicht sicher sein. Auch wo das Bild, das nichts Ungestümes hat wie der Stier, Ordnung signalisiert, ist die Ordnung aus den Fugen geraten oder war nie hergestellt. Konsequenterweise sind die Linien der Karos auch nicht kerzengerade gezogen. Dem Bild wohnt eine auf dem ersten Blick unsichtbare Bewegung und Lebendigkeit inne. Ruhe, Ordnung und Ungeordnetheit gehen eine stillschweigende Verbindung ein.




Beata Binczyk, Waage

Ihre Bilder und ihren Schmuck stellt die Künstlerin in der Galerie

aus.