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«Humboldt ist tot - es lebe die Universität!»
Der BSK richtet vom 29.10 bis 31.10 seine bundesweite
Jahrestagung im
Textzentrum Essen in Kooperation mit dem AStA der Folkwang - Uni aus.
Titel: «Humboldt ist tot - es lebe die Universität! Betrachtungen zur
Trias Bildung-Wissenschaft-Kultur» «Habe Mut, dich deines eigenen
Verstandes zu bedienen. Zu Bedingungen und Zielen freier Kulturarbeit in
und außerhalb der Hochschulen.»
Ist Humboldt tot oder wirkt er heute noch nach? Ist dieses humboldtsche
Bildungsideal noch aktuell oder muss man damit rechnen, dass der
"Fachidiot" , auch in der Kunst und Musik, den Ton angibt?
Ob es das Humboldtsche Bildungsideal jemals in der Praxis gab,
ist meines Erachtens sehr fraglich. Es war und bleibt ein Ideal.
Führt man sich die zwei zentralen Begriffe der bürgerlichen Aufklärung - autonomes
Individuum und Weltbürgertum - um die sich das humboldtsche Bildungsideal
entwickelte, vor Augen, so sehen wir, dass es weder eine Selbstbestimmung,
noch ein Band gibt, das alle Studierenden verbindet. Zum einen wurde der
Bologna-Prozess, der in vielen Bereichen umstritten ist, über die Studierenden bzw.
deren Vertreter hinweg eingeleitet. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass
ich bis heute keinen Studierenden getroffen habe, der hinter dem Bologna-Prozess steht.
Besonderer Unmut kam insbesondere bei der Vereinheitlichung der Abschlüsse auf,
mit der oft ein Qualitätsverlust des Studiums in Verbindung gebracht wird. Zum anderen
wurde durch die Einführung der Studiengebühr vielen potentiellen Studierenden das
Studieren unmöglich gemacht. Die, die es sich leisten wollen, geraten unter einen
Schuldenberg. Besonders im Bereich der Künste ist es oft sowieso fraglich - und damit
lasse ich die Stimme der hiesigen Studierenden erklingen - ob man nach dem
Studium eine derartig "gute Anstellung" im Berufsleben bekommt,
dass man die Schulden in absehbarer Zeit tilgen könnte.
Im Bereich der Künste kann ich nicht mit Sicherheit eine Aussage darüber treffen,
wer den Ton angibt. Im Bereich der Wirtschaftswissenschaften ist ganz offensichtlich,
dass ihn die Wirtschaft angibt. Verstärkt werden Bereiche in den Lehrplan aufgenommen,
die den Bedarf der Unternehmen decken sollen. Wenn allerdings dadurch kompetentere
Fachkräfte ausgebildet werden, dann ist dies nicht unbedingt von Nachteil.
Gerade jetzt kurz nach der Regierungsneubildung in NRW sieht der
Leiter des Textzentrums-Essen, und Vorstandsmitglied des BSK, Uri
Bülbül, eine Chance, in bildungspolitischen Fragen landes- und
bundesweit Impulse geben zu können.
Welche Gedanken hat sich der Folkwang-AStA diesbezüglich gemacht?
Gibt es eigene Projekte und Vorhaben des AStAs?
Da wir im Interesse der Studierendenschaft handeln, schöpfen wir mit der neuen
Regierung (NRW) auch neue Hoffnung. In einem Treffen mit Herrn Pinkwart, dem ehem.
Minister für Innovation, Wissenschaft, Forschung und Technologie des Landes
Nordrhein-Westfalen, bei dem Vertreter der Studierendenschaften verschiedener
Universitäten und Hochschulen anwesend waren, hat Herr Pinkwart seine Position zu
Studiengebühren dargelegt und deren Einführung gutgeheißen. Alle Vertreter waren
sich einig darüber, dass die Studiengebühren abgeschafft werden sollten.
Die anschließende Diskussion verlief nicht fruchtbar und fast alle Vertreter
verließen erzürnt den Raum. Mit der neuen Regierung sehe auch ich die Chance,
neue Impulse in der Bildungspolitik geben zu können. Wir erhoffen uns vor allem
eine Diskussions- und Kompromissbereitschaft der Vertreter der neuen Landesregierung.
Unsererseits haben wir noch keine Vorhaben anzugeben, deswegen begrüßen wir sehr
die Initiative Herr Bülbüls.
Der BSK steht dem "inhaltsleeren" Aktionismus der
"Bildungsstreik"-Bewegung der vergangenen Jahre, die sich nun eher
totgelaufen zu haben scheint, skeptisch gegenüber. Die Konzentration auf
die eine und einzige Frage: Abschaffung der Studiengebühren ja oder
nein? zeigt keine bildungs- und kulturpolitischen Inhalte auf. Wie steht
der Folkwang-AStA dazu?
Zwar sehen wir, dass mit der Studiengebühr die einen oder anderen Kurse zusätzlich
angeboten werden können, doch sind wir nach wie vor der Meinung, dass der Preis
dafür einfach zu hoch ist. Der Student sollte sich seinem Studium widmen und nicht
irgendwelchen zusätzlichen Gelegenheitsjobs nachrennen, um irgendwie seine
Studiengebühr zahlen zu müssen. Ich selber habe oft mitbekommen
(insbesondere an anderen Universitäten), dass das Geld nicht sinnvoll
genug genutzt wird. Oft sind am Ende des Semesters noch etliche tausend Euros
vorhanden, die keine Verwendung gefunden haben. Um jedoch vor dem Landesrechnungshof
nicht in Erklärungsnot zu geraten, werden die Gelder dann für nicht mehr so sinnvolle
Projekte ausgegeben. Ein zusätzlicher Nutzen ist also bildungstechnisch nur spärlich
gegeben.
Es gibt seit drei Jahren ein Archiv für Kulturarbeit im Essener
Textzentrum. Was könnte man von so einem Archiv erwarten?
Die Räumlichkeiten sind fast ideal. Allerdings müsste man einen übersichtlicheren
Raum daraus gestalten, damit Archiv und Vortragsbereich voneinander getrennt sind.
Dies spielt eben auch eine Rolle, da sich die Leute ja auch wohlfühlen sollen.
Die Folkwang Hochschule hat sich zu einer "Universität der Künste"
umbenannt. Könnte der AStA die Beweggründe kurz skizzieren und die
eigene Position dazu schildern?
Mit der Wahl des neuen Rektors, Kurt Mehnert, kam neues Leben an die
Folkwang Hochschule. Im Prinzip hat Herr Mehnert den Anstoß dafür gegeben,
die Hochschule in "Universität der Künste" umzubenennen. Er hat völlig Recht
damit, wenn er sagt: "Der neue Name wird dem besonderen Bildungsanspruch gerecht,
dem erweiterten und nun umfassenden Folkwang-Fächerkanon aus den Bereichen Musik,
Theater, Tanz, Gestaltung und Wissenschaft, dem Promotions- und Habilitationsrecht
und vor allem der zunehmend an Bedeutung gewinnenden Internationalisierung sowie
der Funktion der Folkwang Künste im Dialog mit der Gesellschaft."
Dem stimmen wir voll und ganz zu.
Wie nimmt der AStA die Interessen der Studierenden wahr, die er
vertritt? Wahrnehmung ist hier doppeldeutig gemeint: einmal sensitiv:
was erfährt der AStA über das, was die Folkwang-Studierenden
interessiert und bewegt? Und zweitens: wie vertritt der AStA diese
Interessen in Politik, Öffentlichkeit und Gesellschaft?
Der AStA bemüht sich, den Wünschen der Studierenden bestmöglich nachzukommen.
Falls Unterstützung für ein Projekt erwünscht ist, so versuchen wir, dieses zu tun.
Falls unser Kompetenzbereich überschritten wird, so muss dies in Absprache mit dem
StuPa geschehen. Wir versuchen, allen Anfragen gerecht zu werden. Allerdings ist der
Lehrplan eines Folkwang-Studierenden sehr voll, so dass nicht viel zu uns hin
eindringt. Wir haben keine Anfragen in dem Maße, dass wir die Öffentlichkeit davon
in Kenntnis setzen müssten. Wir bringen die Sache sehr oft vor die Universitätsleitung,
die seinerseits auch sehr kooperativ ist.
Sind die AStA Mitglieder politisch organisiert? Welche
kulturpolitischen und anderen Weiterbildungsmöglichkeiten kennen sie und
nehmen sie wahr?
Da wir eine sehr kleine Hochschule sind, ist die Zahl der AStA-Referenten
sehr begrenzt. Politische Ämter in dem Sinne gibt es nicht. Das AStA-Team ist
damit beschäftigt, hochschulintern Einfluss im Namen der Studierenden zu nehmen.
Dazu gehören natürlich auch das Mitreden bei Weiterbildungsmöglichkeiten in den
jeweiligen Kommissionen, die auch immer von studentischer Vertreterseite besetzt sind.
Was ist konkret für das kommende Semester an AStA-Aktivitäten geplant?
Auch im kommenden Semester möchten wir die Studierenden dabei unterstützen,
weiterstudieren zu können. Viele könnten dies aus finanziellen Gründen nicht.
Wir haben einen Sozialfond eingerichtet und ein Bewerbungsverfahren eingeleitet,
bei dem sogenannte Sozialstipendien vergeben werden. Hier wird von einer unabhängigen
Kommission, die aus Professoren und Studenten besteht, die Notwendigkeit des einzelnen
Studenten auf finanzielle Hilfe hin geprüft und vergeben. Kulturpolitisch bietet die
Folkwang Universität selbst einiges an, zum Beispiel das Café Philosophique, wo über
verschiedene Themen diskutiert wird.
Vielen Dank für das Interview.
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Das Interview führte für das Kulturprogramm Christine Güßregen
Die Fragen des Kulturprogramms beantwortete Caner Köseoðlu, Mitarbeiter des
AStAs
der Folkwang Universität der Künste und
Zuständig für Organisation.
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