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![]() Kezik Acars Geschichte wird nicht mit Pauken und Trompeten und auch nicht auf höchst dramatischer Ebene erzählt. Der zentrale Schauplatz des Romans ist Duisburg. Leise und fast nebenbei erfahren wir von einer erfüllten Liebe in einer anatolischen Dorfgemeinschaft, in der wir uns in unseren Vorurteilen alles Mögliche wie Zwangsheirat und Gewalt in der Ehe vorstellen können, nicht aber, dass zwei Menschen zueinander finden, die sich innig und leidenschaftlich lieben. Und ganz anders als in typischen Liebesromanen folgt die Geschichte einer anderen Dramaturgie. Die Abenteuer werden nicht vor der Ehe bestanden, das Abenteuerliche besteht nicht darin, dass zwei Liebende zueinander finden. Die Geschichte ist die einer Witwe, die aus ihrer einen und einzigen Liebe Kraft für ihr ganzes Leben schöpft. Der dritte Roman der Duisburger Trilogie von Fakir Baykurt liegt nun in der Übersetzung von Sabine Adatepe in der Dialog-Edition Duisburg vor und ist für 16,80 Euro im Buchhandel zu haben. Es bleibt zu hoffen, dass auch die anderen beiden Teile der Trilogie bald übersetzt werden und auf Deutsch zu lesen sind. Annotation Karin YeþiladaFakir Baykurt: Halbes Brot Das Panorama türkischer Einwanderung ins Ruhrgebiet «Der ultimative Duisburg-Roman der türkischen Einwanderung. Mit seinem nun erstmals in deutscher Übersetzung erschienenen Halbes Brot schuf Fakir Baykurt eine Menschenlandschaft türkischer Migrantenfamilien in Duisburg der 1980er Jahre - und damit das Panorama türkischer Einwanderung ins Ruhrgebiet. Halbes Brot ist eine Familiengeschichte, Liebesgeschichte und Roadnovel zugleich. Es dreht sich um das Schicksal der Deutschtürkinnen Kezik Acar und ihrer drei Kinder, die in Duisburg leben. Früh verwitwet, kam Endvierzigerin Kezik Acar mit ihren Kindern nach Duisburg, wo sie als Tellerwäscherin in der Spülküche eines Altenheims arbeitet. Mit ihrem bescheidenen Lohn hat sie es immerhin zur Hausbesitzerin gebracht und eines der denkmalgeschützten Vorkriegshäuser im Duisburger Stadtteil Hochfeld erworben. Für Kezik Acar ist die Sache klar: Sie will in Deutschland bleiben und möchte ihren verstorbenen Mann möglichst nahe bei sich haben, ja später auch neben ihm beigesetzt werden. Anders als ihre Landsleute macht sich die Mutter dreier in Deutschland aufgewachsener Kinder keine Illusionen darüber: Sie weiß, dass ihre Kinder in der neuen Heimat verwurzelt sind... und so will auch sie hier bleiben. Und dazu gehört, dass ihr geliebter, zu früh verstorbener Ehemann nahe bei ihr ist, also in Deutschland, damit sie hier um ihn trauern kann. Für Kezik, die seinerzeit nach dem tragischen Bahnunglück, bei dem der «Eisenbahner Mustafa» ums Leben gekommen war, den Leichnam im Heimatdorf (und nicht in der Unglücksprovinz) hatte beisetzen lassen, erscheint es völlig natürlich, die Gebeine nun transnational zu bewegen und aus der Türkei nach Deutschland zu bringen. Für alle anderen erscheint dieses Ansinnen kurios. Doch davon lässt sich Kezik Acar nicht beirren. Fakir Baykurt hat damit einen wichtigen Roman über die allmähliche Etablierung der Einwanderer geschrieben, und er hat den Prozess der Sesshaftwerdung und Niederlassung in vielfältiger Weise beschrieben. So eröffnet er nicht nur die Innensicht auf seine eigentliche Romanheldin, die «Gastarbeiterin» Kezik Acar und ihre Familie, sondern er verleiht durch zahlreiche Figuren aus ihrem türkischen Umfeld auch der vielfältigen türkischen community von Duisburg eine Stimme. Es ist Baykurts Verdienst, diesen Prozess auch durch Ausschnitte aus der Ratsversammlung in Duisburger Rathaus und den Kontroversen Redebeiträgen verschiedener politischer Anhänger anschaulich gemacht zu haben...» Mehr über den Autor Fakir Baykurt... |