Editorial
17. August 2010
Noch immer sind die Feuer der Waldbrände aufgrund der Trockenheit in Russland nicht richtig unter Kontrolle. Rauchschwaden mit giftigen Gasen und womöglich radioaktiven Partikeln erfüllen die Luft in Moskau. Smog in der russischen Metropole wie in einem schlimmen Science-Fiction. Aus Nigeria wird ganz nebenbei, nach der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko gemeldet, dass dort durch Räuberei an Ölpipelines und marode Technik ein vielfaches an Öl in das Nigerdelta ausgeflossen und ganze Landstriche völlig verseucht hat. Arme Fischer versuchen in Ölkanistern aus dem von der Wasseroberfläche des Nigers abgeschöpften Öl Benzin zu destillieren und erzählen dem Fernsehteam, dass sie unter ständiger Gefahr leben, von der Polizei oder den Sicherheitskräften des SHELL-Konzerns aufgebracht zu werden. Sie sind immer auf der Hut und rennen weg, wenn Sicherheitskräfte auftauchen. Diese zerstören die primitiven Raffinerien, und die armen Menschen, flicken sie notdürftig wieder zusammen, wenn sie sich vor den Sicherheitskräften sicher fühlen. Indessen ist die Flutkatastrophe in Pakistan längst nicht gebannt. Das Land größtenteils unter Wasser, die Infrastruktur weitestgehend zerstört, die Menschen, von der spärlichen Hilfe abgeschnitten, leiden Hunger und Durst. Seuchen sind nicht ausgeschlossen und wahrscheinlich kaum zu verhindern.
Vor wenigen Jahren noch hätte das alles nur das Szenario eines für übertrieben gehaltenen apokalyptischen Science-Fiction-Romans abgeben können. Heute finden wir diesen Roman in den Fernsehnachrichten.
War die Frage, ob denn nach Auschwitz Literatur überhaupt noch möglich sei, ethisch gestellt, kann man sich heute physikalisch fragen, ob es sich überhaupt noch lohnt, Kulturarbeit zu betreiben, wo doch Barbarei und Not so nah vor unserer Tür scheinen. Werden radioaktiv konterminierte Menschen, die vielleicht ihr letztes Hab und Gut vor sintflutartigen Regenfällen und Überschwemmungen zu retten versuchen müssen, überhaupt noch Nerv für Theater, Musik, Literatur, Film haben?
So seltsam das für manch einen Kulturverächter mit konsumsaturierter Fetthirnigkeit klingt, die Menschen haben in der schwersten Not, nicht aufgehört, Kultur und Kunst zu produzieren: in Konzentrationslagern nicht, in Sarajevo oder andernorts nicht, wo Bürgerkrieg und Barbarei wüteten. Kulturschaffende sollten sich dieser Verantwortung gerade dann bewusst sein, wenn sie gerade im Moment auf einem Fleckchen Erdteil leben, wo keine Katastrophen wüten.
Das Katakomben-Theater Essen beispielsweise hat sich für die neue Spielzeit das Motto Kultur ohne Grenzen gegeben. Möge dies in dem Sinne realisiert werden, dass die Notleidenden dieser Welt nicht in den Hintergrund oder einfach in Vergessenheit geraten. Vielleicht muss die Freie Szene verstärkt auch über Benefizveranstaltungen nachdenken. Das wird nichts ungeschehen machen, könnte aber vielleicht Not lindern helfen.

16. Juli 2010
Der Sommer ist doch noch heiß geworden - sehr heiß, zu heiß. So heiß, daß die Klimaanlagen der ICE's ab 32°C streiken. Da heizt sich so ein Zug innen schon mal bis über 50°C auf. «Nur bei den älteren Modellen» lautet da der neue Entschuldigungsspruch nach dem Doofstellen und erstmal nach Ursachen Forschen nicht viel geholfen haben, weil allzu viele Stimmen sich meldeten und darauf hinwiesen, daß das Problem längst schon bekannt sei. Man habe damals nicht mit der Klimaerwärmung rechnen können. Ich wußte überhaupt nicht, daß Dampfloks mit Klimaanlage als ICE-Züge eingesetzt werden.
Die Zügellosigkeit des Neoliberalismus und Turbokapitalismus in den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts beschert nun in aller Deutlichkeit die Folgen: Milliardenverluste der Banken, Ölkatastrophe durch Bohrfehler am Golf von Mexiko - da sind die überhitzten Züge im Eifer des angestrebten Börsengangs und Privatisierungswahns noch das geringere Übel. Der Markt wird es schon selbst regulieren. Kann man den Staat nicht auch privatisieren? Ich fürchte, ich bin der letzte, der auf diese Idee kommt. Die Flick-Affäre zeigte schon vor dreißig Jahren, daß man den Staat nicht nur privatisieren kann, nein, daß man ihn längst schon privatisiert hatte.
Zaghaft darf da und dort die Politik noch Korrekturvorschläge machen. Das Spekulantentum abschaffen kann sie nicht. Das möchten die Spekulanten schon selbst regulieren. Möchte sich vielleicht irgendjemand mal ausmalen, was in Zentraleuropa passiert, wenn sich das ereignet, was sich nicht ereignen kann, weil es sich nicht ereignen darf: ein Unfall mit Brennstäben im Kernkraftwerk, bei der Aufbereitung oder Endlagerung?
Die Politik lebt und agiert nur noch durch die Gnade der größtmöglichen Doofheit. Nur wer ignoriert, kann noch über Gesetzentwürfe, Reformen, Steuern oder Verträge debattieren, abstimmen, für Regierungen koalieren und was sonst noch so zum politischen Geschäft gehört, betreiben. Schön, daß der jüngste der Bundespräsident der Geschichte der Bundesrepublik sich nun Zeit nehmen kann, Thinktanks einzurichten und Nachdenken zu organisieren. Eine echte Hoffnung für Kulturarbeit ist das nicht, aber wir werden jeden Strohhalm ergreifen.
In diesem Zusammenhang fällt mir Dietrich Dörners Buch Die Logik des Mißlingens - Strategisches Denken in komplexen Situationen ein.

06. November 2009
Nach einem halben Jahr "Pause" wird es höchste Zeit, ein neues Editorial für das KULTURPROGRAMM zu schreiben. Kaum hatten wir die Server-Technik und ihre Erneuerungen begriffen, schon ergaben sich neue Probleme in der Arbeitsroutine der Redaktion. Nach wie vor fehlen uns Redakteure. Dafür aber wird unsere Zeitung sehr wohlwollend von Kulturschaffenden und kulturellen Institutionen auf- und angenommen. Natürlich liegt das auch daran, daß nirgendwo so viel Wert auf Publizität gelegt wird, wie in der Kulturbranche. Und für ein bißchen Publizität sorgen auch wir im Internet und "verewigen" einige Themen und Beiträge auch in unserer vierteljährlichen Printausgabe.
Ab Dezember haben wir eine Redaktionsassistentin, die bestimmt frischen Wind ins Schreibhaus und in seine Kulturredaktion bringen wird. So hoffen wir ganz stark, daß wir intensiver über freie Kulturarbeit, über die unterschiedlichsten Aktivitäten und Initiativen, Bildungs- und Kulturpolitik berichten können.
Für 2010 haben wir uns ein Kulturprojekt vorgenommen, das wir 2011 veröffentlichen wollen: Literatur.geortet: Ruhr_2010. In Reportagen, Essays, dokumentarliterarischen Texten, Satiren, Glossen und Bildern wollen wir das Jahr, in dem das Ruhr-Gebiet als Europas Kulturhauptstadt fungiert, festhalten und im Folgejahr unsere Sicht der Dinge und Ereignisse der Öffentlichkeit präsentieren. Denn es gibt auch Kultur nach 2010.
Wer über seine gescheiterten Projektideen, seine Wut, seine Begeisterung für gelungene Ereignisse und gut umgesetzte Ideen schreiben möchte, ist herzlich eingeladen, Kontakt mit dem Schreibhaus aufzunehmen. Ein B(K)lick in unser Impressum hilft da weiter.
Wir werden natürlich nicht aufhören, all die Nachrichten auszuwerten, die uns per Email erreichen. Besonders groß ist mittlerweile die Sammlung, die sich über den Emailverteiler der Studierenden ergeben hat, die gegen Studiengebühren und für bessere Bildungschancen protestieren. Bisher haben wir dieses Feld der freien Kulturarbeit: die Universitäten - nicht gebührend beachtet. Wir bemühen uns um Besserung. Gerade das Archiv für (studentische) Kulturarbeit, das im Textzentrum-Essen nicht nur den Raum mit dem KULTURPROGRAMM teilt, sondern auch viele Arbeitsinhalte, konnte sich in diesem Jahr nicht richtig entfalten. Nichtsdestotrotz gehen die Aktivitäten weiter, es werden Pläne geschmiedet, Projektpapiere geschrieben und MitarbeiterInnen und MitstreiterInnen gesucht. Daß freie Kulturarbeit vom Ehrenamt lebt, versteht sich von selbst.
In Zukunft widmen wir uns auch mehr den Buchbesprechungen und fassen ein Gebiet als Teil der freien Kulturarbeit ins Auge, was so manch einem ungewöhnlich erscheinen wird: das Gesundheitswesen. Aber gehört es nicht zur Kultur, wie eine Gesellschaft mit Krankheiten umgeht, Kranke pflegt und versorgt oder gar Krankheiten und Behinderungen definiert, in die Welt setzt oder aus der Welt schafft? Die Gesamtheit der menschlichen Praxis könnte als Feld der Kulturarbeit verstanden werden, womit wir vollkommen im Philosophischen wären und von hier aus ins Uferlose abdriften könnten. Wir möchten aber keine medizinische Zeitung machen; wir möchten keinen Gesundheitsratgeber zusammenstellen. Alles, was wir betrachten, werden wir aus dem Blickwinkel der Ästhetik, der Bildung und der Kunst betrachten. Aber wir werden keinesfalls nur Ästhetik, Bildung und Kunst ins Visier nehmen. Gefragt ist eine ganzheitliche Sicht der Dinge mit der nötigen Vorsicht, damit "Ganzheitlichkeit" nicht zu einer Phrase gerinnt.
10. Mai 2009

Alles wieder in gewohnten Bahnen in der Redaktion. Das ist doch dann gut so, könnte man meinen. Die Seitenaktualisierungen auf dem neuen Server haben sich eingespielt. Etwas Routine ist wieder eingekehrt. Damit aber stechen unsere klassischen Schwachpunkte wieder ins Auge, womit wir uns keineswegs abfinden möchten. Uns fehlt Personal. Wer ist bereit, ehrenamtlich Artikel über Kulturaktivitäten, kulturelle Ergeinisse und Kulturarbeit zu schreiben? Und wer würde auf Provisionsbasis Anzeigenakquise betreiben? Wir freuen uns über sich anbahnende Medienpartnerschaften, über die wir erst berichten können, wenn sie definitiv feststehen. Und noch mehr freuen wir uns über die Zusendung von Veranstaltungshinsweisen, Presseerklärungen und Bildmaterial und versuchen allen Eingängen gerecht zu werden.
Endlich haben wir es geschafft, unsere Printausgabe nach drei Jahren Pause wieder in geregelte Bahnen zu lenken und mit einem neuen Format zu erscheinen. Nun soll das KULTURPROGRAMM vierteljährlich das Licht der Öffentlichkeit erblicken.
Unsere Hoffnung, was an freier Kulturarbeit im Ruhrgebiet organisiert wird, übersichtlich und aktuell darstellen zu können, hat sich bisher noch nicht erfüllt. Darauf konzentrieren wir uns in den nächsten Tagen und Wochen und möchten noch einmal darauf hinweisen, daß das Schreibhaus, das das KULTURPROGRAMM trägt und herausgibt, keineswegs nur auf die eigenen Veranstaltungen hinweisen möchte, sondern die Zeitung für freie Kulturarbeit als eine offene Informations- und Diskussionsplattform versteht. Hier sollen verschiedene Initiativen und Organisationen zu Wort kommen und unterschiedliche Veranstaltungen publik gemacht werden. Der lokale Bezug ergibt sich aus dem Sitz der Redaktion. Wenngleich der Schwerpunkt auf der Kulturarbeit des Ruhrgebiets liegt, sind die regionalen Grenzen nicht als Schranken zu verstehen. Schließlich leben wir in einer globalisierten Welt und möchten auch daß das Ruhrgebiet einen Metropolencharakter bekommt. Also richtet sich der Blick der Redaktion auch auf interessante Kulturarbeit außerhalb des Potts. Wir sind in einem Mai voller ehrgeiziger Pläne.



30. März 2009
Wegen Server-Umzug konnten die Kulturprogramm-Seiten im März nicht so aktualisiert werden, wie wir es redaktionell gerne gehabt hätten. Nun ist der Umzug vollzogen, und Normalität in die Technik kehrt wieder ein. Die tägliche, aber nicht immer alltägliche Arbeit des Kulturprogramms kann nun weiter gehen und aus dem kurzen, techinkverordneten Winterschlaf im März erwachen. Im Archiv der unveröffentlichten Texte schlummert noch eine Reportage von Valeska Klug über das Archiv für Kulturarbeit des Bundesverbandes Studentische Kulturarbeit. Diese Reportage will mit Fotomaterial aus dem Schlummer erweckt und ins Netz gestellt sein. Auch der Trägerverein des Textzentrums-Essen und des Kulturprogramms meldet Frühlingsgefühle und -aktivitäten: Die Internetseiten des Schreibhauses werden generalüberholt und sollen in den nächsten Tagen das neue Workshop-Programm enthalten.
Die Kulturabteilung des Akademischen Förderungswerkes Bochum «boSKop» (Bochumer Studentische Kulturoperative) präsentiert wie in jedem Semester ihr neues Workshopprogramm für Studierende.
Und ganz groß will sich auch die Stadt Bochum Gehör verschaffen und legt ihr «Projektbuch Ruhr2010» vor. Darin Theater, Literatur, Heimat, Musik, Kunst, Sport, Kreativwirtschaft, Zusammenleben und Wissenschaft. Diesem ersten Projektbuch soll ein zweites im Herbst folgen.
Auch die Mülheimer Theatertage starten wieder. Stücke_2009. Die Nominierung der Stücke ist schon erfolgt. Es gibt eine Menge zu berichten. Mal sehen, ob der neue Server es packt.

17. Februar 2009

Nach der Rezension der CD mit dem Live-Mitschnitt des Auftrittes von Ilse Storb und Kazim Çalisgan war ich gespannt auf den Auftritt am Freitag, den 13. Februar. Die CD hatte ich mir einige Male angehört und versucht, mir die tatsächliche Stimmung vor Ort auszumalen. Allerdings konnte bei allem Bemühen nicht mehr dabei herauskommen als eben eine Besprechung der CD und nicht etwa die des Live-Auftrittes vor einem Jahr. Es bleibt dabei: the medium is the message ;-)
So sollte man sich die CD unbedingt im Katakomben-Büro kaufen oder per Email bestellen. Wenn die Künstler ihr Erlaubnis geben, werden zwei Ausschnitte des Konzerts auch als mp3-Dateien auf den Kulturprogramm-Seiten zu haben sein.
Ob Live-Mitschnitt oder nicht, den echten Live-Auftritt kann allerdings kein Mitschnitt ersetzen. Daher ist zu hoffen und zu wünschen, daß Ilse Storb und Kazim Çalisgan ihr «vom morgenland zum abendland» wiederholen. Eine reine Wiederholung würde es wahrscheinlich ohnehin nicht werden, wie auch der zweite Auftritt nach einem Jahr in den Katakomben auch keine reine Wiederholung war. Es bedrufte nicht allzu großer Aufmerksamkeit, um Überarbeitungen im Vortrag und in der Interpretation festzustellen. Nicht zuletzt betrafen sie Kazim Çalisgans Arrangement des Deutschlandliedes im 9/8-Takt. Als «technisierter Türke», wie er es ausdrückte (die Lacher waren auf seiner Seite), hatte er den neuen Beat elektronisch vorbereitet und lud das Publikum zum Mitklatschen ein: 1-2-1-2-1-2-3...
Ein anderer «technisierter Türke» saß vollkommen verelektronisiert im Publikum und konnte nicht nur mangels Taktgefühl nicht mitklatschen. Eine kleine Digitalkamera in der Hand versuchte er einen Live-Mitschnitt der anderen Art. Bei der Tonqualität, die dabei herausgekommen ist (dem Wort Ton wird in diesem Fall Hohn gesprochen), hätte er ruhig mitklatschen können.
Nichtsdestotrotz kann das kleine Filmchen echt youtube-geeignet vielleicht einen kleinen Eindruck vermitteln, wie sich die orientalische Deutschlandlied-Interpretation anhört. Achtung! Wer auf das Filmsymbol klickt, wird mit einer etwa 10 MB großen wav-Datei konfrontiert - so weit «the medium». Über die «message» kann das geneigte Publikum selbst entscheiden. Über die Impressionen des Abends wird es demnächst einige Kulturprogramm-Seiten im Archiv geben. 
Dann richtet sich die redaktionelle Aufmerksamkeit auf den sogenannten «Bildungsstreik», den Studenten und Schüler vorbereiten.
Es gibt eine bundesweite Initiative für die Verbesserung von Bildungschancen. Wenn man es so stehen ließe, könnten Länderregierungen, Bundesregierung, alle Parteien und Verbände, Schüler, Studenten und Lehrende sich einig sein: alle wollen bessere Bildung. Natürlich ist es eine Binsenwahrheit, daß die Vorstellungen darüber, was zur Bildung gehört und wie man Bildung besser erreichen kann, sehr schnell sehr weit auseinander gehen. Diejenigen, die die Studiengebühren gefordert und eingeführt oder das Schüler-Bafög gestrichen bzw. vollkommen verstümmelt haben, beanspruchen für sich ebenso, für die Verbesserung der Bildung zu sein wie diejenigen, die mehr soziale Gerechtigkeit in der Bildung und die Abschaffung von Studiengebühren fordern. Die Debatte ist chaotisch, die Gedanken und Standpunkte wirr, viele Begriffe floskelhaft und unklar und vermeintlich radikale Forderungen bieder, konformistisch, phantasielos und blöde. Wie hohl, phrasenhaft und oberflächlich Bildungsdiskussionen geführt und Thesen hierzu formuliert werden, zeigte eine Tagung der Rosa-Luxemburg-Stiftung in Bonn im vergangenen Jahr. Das Thesenpapier dazu, das einige gegenwärtige Aktivisten verfaßt haben, befindet sich unter www.bsk-archiv.de/bonner_thesen.html und kann vorerst unkommentiert zur Kenntnis genommen werden. Eine Auseinandersetzung mit der großen Bildungsdebatte ist unbedingt vonnöten. Auch dies gehört wie das Archiv für Kulturarbeit und die Kulturprogramm-Redaktion in das Textzentrum-Essen, wo Symposien und Workshops zur Kulturarbeit angeboten werden.
Es ist ein weites Feld und muß dennoch beackert werden.



20. Januar 2009 

Vor lauter Redaktionsarbeit wurde das Editorial vernachlässigt; dabei ist es wie ein Arbeitstagebuch dazu gedacht, die Arbeit und die Gedanken zu sortieren, über Vorhaben zu berichten und dabei auch noch vorhandene Mängel nicht unerwähnt zu lassen. Nur wenn unsere Arbeit richtig transparent ist, werden, so unsere Hoffnung, sich unsere Leserinnen und Leser nicht, enttäuscht von fehlenden Seiten oder toten Links, von uns abwenden. Wir erreichen bestimmt nicht viele Menschen, aber die, die wir erreichen, sollten wir nicht durch redaktionelle Fehler vergraulen. Kontinuierlich bauen wir unsere Themen und die Kulturtopografie, um die wir sehr bemüht sind, aus. Wer sich bisher unerwähnt findet, aber gerne redaktionell berücksichtigt würde, sollte sich unbedingt an uns wenden. Wer freie Kulturarbeit betreibt, sich an kultureller Bildung beteiligt oder Kulturprojekte entwickelt, ist auf unseren Seiten herzlich willkommen. Wir gehen dabei zwar vom Ruhrgebiet aus, wollen uns aber keinesfalls lokal beschränken; schließlich machen kulturelle Ideen nicht vor regionalen oder nationalen Grenzen Halt. Da wir uns aber im deutschen Sprachraum bewegen, macht es wenig Sinn, uns einen internationalen Anstrich durch eine englische Version der Seiten zu geben. Das würde für uns nur die redaktionelle Arbeit aufblähen und unserem tatsächlichen Wirken nicht entsprechen. Wichtig ist in erster Linie unsere akommerzielle Auffassung von Kulturarbeit, die wir so vom gewinnorientierten Kulturmanagement abgrenzen.
Kulturarbeit und kulturelle Bildung müssen gemeinnützig sein und bleiben und dürfen nicht ökonomischen gewinnorientierten Betrachtungsweisen untergeordnet werden. Die Argumente hierfür sind nicht für alle leicht nachvollziehbar. Kommerzialisierung aber bedeutet immer die Einengung des Blickes auf das mögliche Publikum und sein vermeintliches Interesse. Man bekommt einen Tunnelblick auf den Erfolg. Die Kulturorganisatoren und -produzenten folgen aufgrund ihrer Erfahrungen oder die der anderen jenen Wegen die schon einmal erfolgreich erprobt wurden oder als erfolgversprechend eingestuft werden. Sie versuchen zu antizipieren, was das Publikum will und fühlen sich bestätigt, wenn das Publikum diese Angebote annimmt. Niemand aber fragt sich so recht, ob nicht auch andere Angebote angenommen worden wären, wenn man sie dem Publikum nur angeboten hätte. Aus dem hermeneutischen Zirkel der Organisatoren wird ein Teufelskreis des kommerziellen Erfolges. Darunter leiden Experimente und kulturelle Vielfalt. Und so führt Kommerzialisierung der Kultur zur Herausbildung von Monokulturen und inhaltlich und ästhetisch gesehen zur kulturellen Verarmung. Daher ist es sozusagen eine kulturprogrammatische Haltung: Kulturarbeit und Kulturmanagement voneinander zu differenzieren und Kulturarbeit als gemeinnützig und Kulturmanagement als kommerziell zu begreifen. Das aber kann und darf nicht darüber hinwegtäuschen, daß auch die gemeinnützigste Kulturarbeit ökonomischen Regeln und Zwängen unterworfen bleibt; auch hier gilt ohne Moos nix los!



Silvester 2008

Ein frohes neues Jahr wünscht allen Besucherinnen dieser Site die Redaktion. Das Kulturprogramm widmet sich mit einem etwas neuen Outfit neuen und alten Aufgaben. Die Schwerpunktsetzung verlagert sich ein wenig von der freien Kulturszene auf freie Kulturarbeit, was natürlich ohne die Szene nicht denkbar wäre.
Das Jahr vor 2010 läßt noch einiges von dieser Kulturszene des Ruhrgebiets erwarten. Und man kann sagen: Hoffentlich nur Gutes ;-) Daß im vergangenen Jahr die Euphorie und der von ihr ausgelöste Projekteifer der Szene, den Zuschlag für 2010 als Kulturhauptstadt Europas erhalten zu haben, ein wenig abgeschliffen und die vielen Hoffnungen auf große Veränderungen in der Szene auf ein gewisses Maß an Realitätssinn gestutzt wurden, gibt noch keinen Grund zur Enttäuschung.
Frohgemut können wir ins neue Jahr starten, hoffend und wünschend, daß es auch ein (Kultur-)Leben nach 2010 gibt.Uri Bülbül