
|
Das Kulturhauptstadtjahr ist vorbei. Nun beginnt also das Jahr danach. Normalität kehrt zurück in den Kulturbetrieb des Reviers, das sich kurz zur Metropole aufpoliert sah - zumindest in den wunderbar geschwungenen und alles und am meisten sich selbst belobigenden Reden. Das gegenseitige "Eierkraulen" der Ruhr2010-GmbH-Chefs und das unaufhörliche Auf-die-Schulterklopfen, den Erfolg-Inszenieren und Massen-Mobilisieren, ob auf der Autobahn, in Duisburg oder in der Schalke-Arena - sollte all das schon die Sternstunde europäischer Kultur auf Ruhrdeutsch gewesen sein, Wo ein raues Wort dich trägt, weil dich hier kein Schaum erschlägt, wo man nicht dem Schein erliegt, weil man nur auf Sein was gibt? Woanders ist auch scheiße, wie ein großer Ruhrgebietsdichter und Romancier es als Liebeserklärung an die Region in Worte fasste. So kann sich ein starkes Stück Deutschland seiner Kultur- und Bildungsferne rühmen und alles auf Schalke und Pommes rot-weiß zu reduzieren suchen, um ja nicht den Mut aufzubringen, zu guter Kulturarbeit zu stehen, die in dieser Region durchaus auch geleistet, dann aber kleingeredet wird, weil man ja sonst nicht prollig, sondern bildungsspießig wirken könnte. Und wer will das schon sein? Das raue Wort unter "Kumpels" - das ist hier angeblich beliebt. Unbeliebt hingegen sind Leute, die tatsächlich mehr Sein als Schein fordern und es gerne gesehen hätten, wenn Ruhr2010 mehr in die hiesige Kulturszene gesteckt hätte, anstatt teure Hochglanz- und Leuchtturmprojekte wie etwa die wunderbaren Schachtzeichen, Ruhratolle oder Autobahnsperrung durchzuführen. Nachhaltige Kultur- und Bildungsarbeit wird in Zukunft vehementer eingefordert werden. Und die Metropolenschwätzer müssen wirklich etwas tun! So hat jeder sein Stuttgart21 bzw. Ruhr2010: Die einen sagen: es geht nur so, und wir (die das organisiert haben über sich selbst) sind klasse. Und die anderen sagen: woanders ist auch scheiße, warum müsst ihr ausgerechnet hier sein? Der Kulturkampf im Ruhrgebiet ist längst nicht entschieden und erledigt. Und wie immer wird er nicht zwischen Christen und Muslimen, Inländern und Immigranten geführt, sondern zwischen den Vertretern des Scheins und denen des Seins, wo doch hier keiner vom Schaum erschlagen werden soll und ein raues Wort uns trägt. Die Kulturhauptstadt war wahrscheinlich an jenen Stellen am stärksten, wo ohnehin stattfindenden Veranstaltungen und existierenden Initiativen der wunderbare Ruhr2010-Stempel aufgedrückt wurde. Alles andere: aufgeblasene Luftballons :-) Schade, dass das Ruhrgebiet in seiner "Kulturspitze" zu keiner vitaleren Kulturpolitik in der Lage war. Es steht zu befürchten, dass die administrativen und politischen Entscheidungsträger mit ihren festgefahrenen Seil- und Machenschaften auch 2011 nicht zu einer anderen Haltung gelangen werden. Aber es bleibt auch dabei: Es gibt nichts Gutes, außer man tut es... - selbst, möchte man noch hinzufügen. Das ist auch eine Heraus- und Aufforderung an die freie Kulturszene des Reviers, sich besser zu vernetzen, anstatt kleinkarierte Projekthascherei in Kleingärtnermentalität zu betreiben. Das KULTURPROGRAMM, die Zeitung des Schreibhauses für freie Kulturarbeit wird sich verstärkt auf die Kulturszene des Ruhrgebiets konzentrieren und seine kulturpolitisch kritische Beobachterrolle ausbauen. Durch neue Kooperationen rechnen wir auch mit personeller Verstärkung und hoffen und freuen uns auf die Ankündigungen und Newsletter, die uns erreichen. Denn sie stehen für eine vitale und nachhaltige Kulturarbeit. Natürlich nehmen wir auch Veranstaltungs- und Publikationshinweise entgegen, die nicht aus dem Revier kommen. Schließlich ist das Internet grenzenlos und Kultur sollte es auch sein. Um das Thema Inter- bzw. Transkulturalität werden wir auch in Zukunft nicht herum kommen. Ein Thema, das bisher im Wesentlichen in der freien Szene und im Wirkungsbereich der soziokulturellen Zentren verankert war, nun aber politisch durch Subventionen gelenkt den sogenannten "klassischen Häusern" wie städtischen Theatern oder Konzerthäusern umgewidmet wird. Dass Multikulturalität ein Thema der freien Szene war, verwunderte niemanden. Nun aber gibt es eine annektive Trendwende in der Politik, in der mit Islamophobie, Fremdenfeindlichkeit und Leitkulturgerede eine nationalistische Kultur in den Vordergrund gespielt werden soll, bis Geschwätz wie etwa: "unsere Soldaten in Afghanistan freuen sich über Weihnachtsgrüße aus der Heimat" vollkommen als selbstverständlich über die Flachbildschirme fluten kann. Ich habe keine Soldaten in Afghanistan und bin strikt dagegen, dass Menschen für die Ziele eines Staates in fernen Ländern ums Leben kommen oder verwundet und traumatisiert werden. Meine Solidarität mit diesen Menschen, die in den Krieg geschickt werden, wird sich auch nicht in Weihnachtsgrüßen ausdrücken, sondern in der strikten Forderung nach ihrer Rückkehr in ihr Zuhause. Es wird von vielen Seiten eine Atmosphäre geschaffen, in der ökonomisch, militärisch und polizeistaatlich aggressive und expansive Politik besser gedeihen kann. Multikulti, Rechtsstaatlichkeit, friedliche Konfliktlösungsstrategien und eine Kultur der Anerkennung werden zugunsten von Überwachung, Repression, Kontrolle und staatlicher Aggression in den Bereich des naiven Idealismus verbannt. Auch diejenigen, die angeblich offen den "Dialog" suchen, fördern die Aggressions- und Gewaltkultur, denn häufig impliziert der Ausdruck "Dialog", dass es ein Gegenüber gibt. Dieses Gegenüber aber ist fiktiv, die vermeintliche Gegenseite plural, unterschiedlich, divergent. Es ist vielfältig und alles andere als einheitlich. Nur die Gewalt- und Kontrollkultur drängt auf Einheitlichkeit und favorisiert einfältige Denkschemata und Lösungsmuster ("Unsere Soldaten kämpfen für den Frieden" oder um die Paradoxie ein bißchen zu verschleiern: "Unsere Soldaten sichern den Frieden und leisten Aufbauarbeit"). Wer solche Aussagen in Frage stellt, gerät in Verdacht, den afghanischen Frauen und Mädchen keine Schulen, keine Berufsausbildung und keine Emanzipation zu gönnen. Als wäre das mit Soldaten zu erreichen! Wer aber schon im eigenen Land der Kulturarbeit mißtraut, Bildung und Kultur nur in Lippenbekenntnissen, aber nicht tatsächlich mit großen Finanzmitteln fördert, wird in einer fremden Kultur, die er zu missionieren trachtet, erst recht auf (Waffen-)gewalt und nicht auf die Überzeugungskraft der Aufklärung setzen. Friedens- und Kulturforschung, Förderung des Dialogs durch Austausch und Pädagogik - all diese Dinge wirken angesichts bewaffneter Hubschrauber, Panzerwagen, Gewehre und Soldaten wie naiver Idealismus, als würden Spinner gegen Naturgewalten meditieren wollen. Doch militärische Aggression ist keine Naturgewalt, sondern ganz eindeutig menschengemacht. Kulturarbeit muss auch Friedensarbeit sein, den Blick auf die Welt verändern und ein entmilitarisiertes Leben aus dem Bereich der fernen Utopie in die Nähe der Machbarkeit führen. Ein auf Nationalismus ausgerichteter Kulturbegriff mit vielen unsichtbaren und unscheinbaren Implikationen und einem künstlichen "Wir"-Gefühl sucht Kräfte zu bündeln, um monolithisch vorgehen zu können. Denn Gewalt funktioniert nicht in Zerstreutheit, Vielfalt und Vernetzung, sondern in Konzentriertheit, Linearität und Einfalt. Am besten monokausal wie ein Speer, Pfeil, eine Rakete oder Kugel. Das Prinzip ist hoher Druck auf engem Raum. Wer aber die Vernetzung und die Weite der Räume sucht, wer sich austauscht und Symbiosen Grenzziehungen vorzieht, handelt im Sinne der Gewaltkultur ineffizient. Diese Art der Ineffizienz sollte man zum Kulturprogramm erheben. Schließlich sind Rechtsstaatlichkeit und Grundrechte keine Luxusgüter, die man über Bord werfen kann, wenn es "ernst wird", sondern die notwendige Bedingung für Frieden und Sicherheit. Wenn Folter und Kerker gute Gewaltprävention und Kriminalistik ersetzen sollen, kann die Gesellschaft zur Heilung ihrer Probleme auch zur Ader gelassen werden. Guantanamo gehört in die Welt einer vergangen geglaubten Epoche. 24. November 2010 Mir ist nicht danach, über Kulturpolitik und Integrationsfragen im Editorial zu schreiben. Seit Monaten ist dieses zum Hauptfeld der Kulturarbeit geworden. Wenn sich der Horizont hierauf verengt, nehmen die Dinge ihren unheilvollen Lauf. Eine zweisprachige Kulturzeitung für transkulturelle Vielfalt aus der bunten Menschenwelt hat im Oktober die publizistische Bühne im Revier betreten. Sie wird hoffentlich nicht nur über inter, sondern auch viel und vorallem über Kultur berichten. Wohin aber geht die Kultur? Die Literaturzeitschrift Literaturen stellt in ihrem Dezember 2010 Heft eine 25-jährige Diplomschriftstellerin vor: Sabrina Janesch. Annett Gröschners Artikel über die junge Autorin, die nun das von Hildesheim verbriefte Recht hat, als Schriftstellerin anerkannt zu werden, fängt mit der fragwürdigen Kernfrage der Kulturarbeit an: "Sabrina Janesch kenne ich seit sechs Jahren. An unsere erste Begegnung kann ich mich nicht erinnern, sie aber schon. Kurz bevor ich als Dozentin an der Uni Hildesheim anfing, war ich in eines der Seminare des dortigen Studienganges «Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus» eingeladen, um über meine Arbeit und das Leben als freiberufliche Schriftstellerin zu reden. Sabrina Janesch weiß noch, dass ich auf die Frage, ob ich vom Schreiben leben könne, gesagt habe, sie sollten lieber meinen Sohn fragen. Ich war wohl eher ein abschreckendes Beispiel. So stilisiert sich eine Kulturjournalistin und Diplomschriftsteller-Ausbilderin und stilisiert auch ihre Schülerin. Gestern in Hildesheim gelernt und heute mit ihrem ersten veröffentlichten Roman im Gepäck viel auf Reisen. Und weiter unten in ihrem Artikel zitiert Annett Gröschner die junge Autorin: «Der Literaturbetrieb ist doch wirklich manchmal putzig.» Die Mechanismen dieses Literatur- und allgemeiner: Kulturbetriebes aufzudecken, die Funktionsweisen transparent zu machen und kulturphilosophisch die Überlebensfrage (Kann man denn davon leben?) zu durchleuchten und umzuformen in: Kann man denn ohne Kultur leben? bleibt die Hauptaufgabe der Kulturarbeit - insbesondere dann, wenn sie sich als freie Kulturarbeit versteht. Editorisch zu bemerken ist, daß die Startseite des Kulturprogramms ein wenig entlastet und abgespeckt wurde; die Artikel aber und die Hinweise sind weiterhin im Archiv zu finden. Und zu Sabrina Janesch ist zu sagen: sie ist noch jung und hat die besten Chancen, eine gute Schriftstellerin zu werden, nicht weil, sondern obwohl sie in Hildesheim "ausgebildet" wurde. Greifen wir den Vergleich, den ihre Lehrerin in ihrem Stilisierungsartikel gezogen hat, noch einmal variiert auf: auch aus Christa Wolf wurde trotz des Bitterfelder Weges eine gute Schriftstellerin, das könnte auch eine Sabrina Janesch schaffen, wenn sie sich von den Doktrinen des Imperialistischen Realismus löst, Polen Polen sein lässt und nicht brav der Herrschaftsideologie der Berliner Republik folgt, sondern ihre eigene Wirklichkeit entdeckt. "Der geteilte Himmel" hin, "Katzenberge" her. 17. August 2010 Noch immer sind die Feuer der Waldbrände aufgrund der Trockenheit in Russland nicht richtig unter Kontrolle. Rauchschwaden mit giftigen Gasen und womöglich radioaktiven Partikeln erfüllen die Luft in Moskau. Smog in der russischen Metropole wie in einem schlimmen Science-Fiction. Aus Nigeria wird ganz nebenbei, nach der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko gemeldet, dass dort durch Räuberei an Ölpipelines und marode Technik ein vielfaches an Öl in das Nigerdelta ausgeflossen und ganze Landstriche völlig verseucht hat. Arme Fischer versuchen in Ölkanistern aus dem von der Wasseroberfläche des Nigers abgeschöpften Öl Benzin zu destillieren und erzählen dem Fernsehteam, dass sie unter ständiger Gefahr leben, von der Polizei oder den Sicherheitskräften des SHELL-Konzerns aufgebracht zu werden. Sie sind immer auf der Hut und rennen weg, wenn Sicherheitskräfte auftauchen. Diese zerstören die primitiven Raffinerien, und die armen Menschen, flicken sie notdürftig wieder zusammen, wenn sie sich vor den Sicherheitskräften sicher fühlen. Indessen ist die Flutkatastrophe in Pakistan längst nicht gebannt. Das Land größtenteils unter Wasser, die Infrastruktur weitestgehend zerstört, die Menschen, von der spärlichen Hilfe abgeschnitten, leiden Hunger und Durst. Seuchen sind nicht ausgeschlossen und wahrscheinlich kaum zu verhindern. Vor wenigen Jahren noch hätte das alles nur das Szenario eines für übertrieben gehaltenen apokalyptischen Science-Fiction-Romans abgeben können. Heute finden wir diesen Roman in den Fernsehnachrichten. War die Frage, ob denn nach Auschwitz Literatur überhaupt noch möglich sei, ethisch gestellt, kann man sich heute physikalisch fragen, ob es sich überhaupt noch lohnt, Kulturarbeit zu betreiben, wo doch Barbarei und Not so nah vor unserer Tür scheinen. Werden radioaktiv konterminierte Menschen, die vielleicht ihr letztes Hab und Gut vor sintflutartigen Regenfällen und Überschwemmungen zu retten versuchen müssen, überhaupt noch Nerv für Theater, Musik, Literatur, Film haben? So seltsam das für manch einen Kulturverächter mit konsumsaturierter Fetthirnigkeit klingt, die Menschen haben in der schwersten Not, nicht aufgehört, Kultur und Kunst zu produzieren: in Konzentrationslagern nicht, in Sarajevo oder andernorts nicht, wo Bürgerkrieg und Barbarei wüteten. Kulturschaffende sollten sich dieser Verantwortung gerade dann bewusst sein, wenn sie gerade im Moment auf einem Fleckchen Erdteil leben, wo keine Katastrophen wüten. Das Katakomben-Theater Essen beispielsweise hat sich für die neue Spielzeit das Motto Kultur ohne Grenzen gegeben. Möge dies in dem Sinne realisiert werden, dass die Notleidenden dieser Welt nicht in den Hintergrund oder einfach in Vergessenheit geraten. Vielleicht muss die Freie Szene verstärkt auch über Benefizveranstaltungen nachdenken. Das wird nichts ungeschehen machen, könnte aber vielleicht Not lindern helfen. 16. Juli 2010 Der Sommer ist doch noch heiß geworden - sehr heiß, zu heiß. So heiß, daß die Klimaanlagen der ICE's ab 32°C streiken. Da heizt sich so ein Zug innen schon mal bis über 50°C auf. «Nur bei den älteren Modellen» lautet da der neue Entschuldigungsspruch nach dem Doofstellen und erstmal nach Ursachen Forschen nicht viel geholfen haben, weil allzu viele Stimmen sich meldeten und darauf hinwiesen, daß das Problem längst schon bekannt sei. Man habe damals nicht mit der Klimaerwärmung rechnen können. Ich wußte überhaupt nicht, daß Dampfloks mit Klimaanlage als ICE-Züge eingesetzt werden. Die Zügellosigkeit des Neoliberalismus und Turbokapitalismus in den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts beschert nun in aller Deutlichkeit die Folgen: Milliardenverluste der Banken, Ölkatastrophe durch Bohrfehler am Golf von Mexiko - da sind die überhitzten Züge im Eifer des angestrebten Börsengangs und Privatisierungswahns noch das geringere Übel. Der Markt wird es schon selbst regulieren. Kann man den Staat nicht auch privatisieren? Ich fürchte, ich bin der letzte, der auf diese Idee kommt. Die Flick-Affäre zeigte schon vor dreißig Jahren, daß man den Staat nicht nur privatisieren kann, nein, daß man ihn längst schon privatisiert hatte. Zaghaft darf da und dort die Politik noch Korrekturvorschläge machen. Das Spekulantentum abschaffen kann sie nicht. Das möchten die Spekulanten schon selbst regulieren. Möchte sich vielleicht irgendjemand mal ausmalen, was in Zentraleuropa passiert, wenn sich das ereignet, was sich nicht ereignen kann, weil es sich nicht ereignen darf: ein Unfall mit Brennstäben im Kernkraftwerk, bei der Aufbereitung oder Endlagerung? Die Politik lebt und agiert nur noch durch die Gnade der größtmöglichen Doofheit. Nur wer ignoriert, kann noch über Gesetzentwürfe, Reformen, Steuern oder Verträge debattieren, abstimmen, für Regierungen koalieren und was sonst noch so zum politischen Geschäft gehört, betreiben. Schön, daß der jüngste der Bundespräsident der Geschichte der Bundesrepublik sich nun Zeit nehmen kann, Thinktanks einzurichten und Nachdenken zu organisieren. Eine echte Hoffnung für Kulturarbeit ist das nicht, aber wir werden jeden Strohhalm ergreifen. In diesem Zusammenhang fällt mir Dietrich Dörners Buch Die Logik des Mißlingens - Strategisches Denken in komplexen Situationen ein. 06. November 2009 Nach einem halben Jahr "Pause" wird es höchste Zeit, ein neues Editorial für das KULTURPROGRAMM zu schreiben. Kaum hatten wir die Server-Technik und ihre Erneuerungen begriffen, schon ergaben sich neue Probleme in der Arbeitsroutine der Redaktion. Nach wie vor fehlen uns Redakteure. Dafür aber wird unsere Zeitung sehr wohlwollend von Kulturschaffenden und kulturellen Institutionen auf- und angenommen. Natürlich liegt das auch daran, daß nirgendwo so viel Wert auf Publizität gelegt wird, wie in der Kulturbranche. Und für ein bißchen Publizität sorgen auch wir im Internet und "verewigen" einige Themen und Beiträge auch in unserer vierteljährlichen Printausgabe. Ab Dezember haben wir eine Redaktionsassistentin, die bestimmt frischen Wind ins Schreibhaus und in seine Kulturredaktion bringen wird. So hoffen wir ganz stark, daß wir intensiver über freie Kulturarbeit, über die unterschiedlichsten Aktivitäten und Initiativen, Bildungs- und Kulturpolitik berichten können. Für 2010 haben wir uns ein Kulturprojekt vorgenommen, das wir 2011 veröffentlichen wollen: Literatur.geortet: Ruhr_2010. In Reportagen, Essays, dokumentarliterarischen Texten, Satiren, Glossen und Bildern wollen wir das Jahr, in dem das Ruhr-Gebiet als Europas Kulturhauptstadt fungiert, festhalten und im Folgejahr unsere Sicht der Dinge und Ereignisse der Öffentlichkeit präsentieren. Denn es gibt auch Kultur nach 2010. Wer über seine gescheiterten Projektideen, seine Wut, seine Begeisterung für gelungene Ereignisse und gut umgesetzte Ideen schreiben möchte, ist herzlich eingeladen, Kontakt mit dem Schreibhaus aufzunehmen. Ein B(K)lick in unser Impressum hilft da weiter. Wir werden natürlich nicht aufhören, all die Nachrichten auszuwerten, die uns per Email erreichen. Besonders groß ist mittlerweile die Sammlung, die sich über den Emailverteiler der Studierenden ergeben hat, die gegen Studiengebühren und für bessere Bildungschancen protestieren. Bisher haben wir dieses Feld der freien Kulturarbeit: die Universitäten - nicht gebührend beachtet. Wir bemühen uns um Besserung. Gerade das Archiv für (studentische) Kulturarbeit, das im Textzentrum-Essen nicht nur den Raum mit dem KULTURPROGRAMM teilt, sondern auch viele Arbeitsinhalte, konnte sich in diesem Jahr nicht richtig entfalten. Nichtsdestotrotz gehen die Aktivitäten weiter, es werden Pläne geschmiedet, Projektpapiere geschrieben und MitarbeiterInnen und MitstreiterInnen gesucht. Daß freie Kulturarbeit vom Ehrenamt lebt, versteht sich von selbst. In Zukunft widmen wir uns auch mehr den Buchbesprechungen und fassen ein Gebiet als Teil der freien Kulturarbeit ins Auge, was so manch einem ungewöhnlich erscheinen wird: das Gesundheitswesen. Aber gehört es nicht zur Kultur, wie eine Gesellschaft mit Krankheiten umgeht, Kranke pflegt und versorgt oder gar Krankheiten und Behinderungen definiert, in die Welt setzt oder aus der Welt schafft? Die Gesamtheit der menschlichen Praxis könnte als Feld der Kulturarbeit verstanden werden, womit wir vollkommen im Philosophischen wären und von hier aus ins Uferlose abdriften könnten. Wir möchten aber keine medizinische Zeitung machen; wir möchten keinen Gesundheitsratgeber zusammenstellen. Alles, was wir betrachten, werden wir aus dem Blickwinkel der Ästhetik, der Bildung und der Kunst betrachten. Aber wir werden keinesfalls nur Ästhetik, Bildung und Kunst ins Visier nehmen. Gefragt ist eine ganzheitliche Sicht der Dinge mit der nötigen Vorsicht, damit "Ganzheitlichkeit" nicht zu einer Phrase gerinnt. |
| 10. Mai 2009
Alles wieder in gewohnten Bahnen in der Redaktion. Das ist doch dann
gut so, könnte man meinen. Die Seitenaktualisierungen auf dem neuen
Server haben sich eingespielt. Etwas Routine ist wieder eingekehrt. Damit
aber stechen unsere klassischen Schwachpunkte wieder ins Auge, womit wir
uns keineswegs abfinden möchten. Uns fehlt Personal. Wer ist bereit,
ehrenamtlich Artikel über Kulturaktivitäten, kulturelle Ergeinisse
und Kulturarbeit zu schreiben? Und wer würde auf Provisionsbasis Anzeigenakquise
betreiben? Wir freuen uns über sich anbahnende Medienpartnerschaften,
über die wir erst berichten können, wenn sie definitiv feststehen.
Und noch mehr freuen wir uns über die Zusendung von Veranstaltungshinsweisen,
Presseerklärungen und Bildmaterial und versuchen allen Eingängen
gerecht zu werden.
30. März 2009 Wegen Server-Umzug konnten die Kulturprogramm-Seiten im März nicht so aktualisiert werden, wie wir es redaktionell gerne gehabt hätten. Nun ist der Umzug vollzogen, und Normalität in die Technik kehrt wieder ein. Die tägliche, aber nicht immer alltägliche Arbeit des Kulturprogramms kann nun weiter gehen und aus dem kurzen, techinkverordneten Winterschlaf im März erwachen. Im Archiv der unveröffentlichten Texte schlummert noch eine Reportage von Valeska Klug über das Archiv für Kulturarbeit des Bundesverbandes Studentische Kulturarbeit. Diese Reportage will mit Fotomaterial aus dem Schlummer erweckt und ins Netz gestellt sein. Auch der Trägerverein des Textzentrums-Essen und des Kulturprogramms meldet Frühlingsgefühle und -aktivitäten: Die Internetseiten des Schreibhauses werden generalüberholt und sollen in den nächsten Tagen das neue Workshop-Programm enthalten. Die Kulturabteilung des Akademischen Förderungswerkes Bochum «boSKop» (Bochumer Studentische Kulturoperative) präsentiert wie in jedem Semester ihr neues Workshopprogramm für Studierende. Und ganz groß will sich auch die Stadt Bochum Gehör verschaffen und legt ihr «Projektbuch Ruhr2010» vor. Darin Theater, Literatur, Heimat, Musik, Kunst, Sport, Kreativwirtschaft, Zusammenleben und Wissenschaft. Diesem ersten Projektbuch soll ein zweites im Herbst folgen. Auch die Mülheimer Theatertage starten wieder. Stücke_2009. Die Nominierung der Stücke ist schon erfolgt. Es gibt eine Menge zu berichten. Mal sehen, ob der neue Server es packt. 17. Februar 2009 Nach der Rezension der CD
mit dem Live-Mitschnitt des Auftrittes von Ilse Storb und Kazim Çalisgan
war ich gespannt auf den Auftritt am Freitag, den 13. Februar. Die CD hatte
ich mir einige Male angehört und versucht, mir die tatsächliche
Stimmung vor Ort auszumalen. Allerdings konnte bei allem Bemühen nicht
mehr dabei herauskommen als eben eine Besprechung der CD und nicht etwa
die des Live-Auftrittes vor einem Jahr. Es bleibt dabei: the medium is
the message ;-)
20. Januar 2009 Vor lauter Redaktionsarbeit wurde das Editorial
vernachlässigt; dabei ist es wie ein Arbeitstagebuch dazu gedacht,
die Arbeit und die Gedanken zu sortieren, über Vorhaben zu berichten
und dabei auch noch vorhandene Mängel nicht unerwähnt zu lassen.
Nur wenn unsere Arbeit richtig transparent ist, werden, so unsere Hoffnung,
sich unsere Leserinnen und Leser nicht, enttäuscht von fehlenden Seiten
oder toten Links, von uns abwenden. Wir erreichen bestimmt nicht viele
Menschen, aber die, die wir erreichen, sollten wir nicht durch redaktionelle
Fehler vergraulen. Kontinuierlich bauen wir unsere Themen und die Kulturtopografie,
um die wir sehr bemüht sind, aus. Wer sich bisher unerwähnt findet,
aber gerne redaktionell berücksichtigt würde, sollte sich unbedingt
an uns wenden. Wer freie Kulturarbeit betreibt, sich an kultureller Bildung
beteiligt oder Kulturprojekte entwickelt, ist auf unseren Seiten herzlich
willkommen. Wir gehen dabei zwar vom Ruhrgebiet aus, wollen uns aber keinesfalls
lokal beschränken; schließlich machen kulturelle Ideen nicht
vor regionalen oder nationalen Grenzen Halt. Da wir uns aber im deutschen
Sprachraum bewegen, macht es wenig Sinn, uns einen internationalen Anstrich
durch eine englische Version der Seiten zu geben. Das würde für
uns nur die redaktionelle Arbeit aufblähen und unserem tatsächlichen
Wirken nicht entsprechen. Wichtig ist in erster Linie unsere akommerzielle
Auffassung von Kulturarbeit, die wir so vom gewinnorientierten Kulturmanagement
abgrenzen.
Silvester 2008 Ein frohes neues Jahr wünscht allen Besucherinnen
dieser Site die Redaktion. Das Kulturprogramm widmet sich mit einem etwas
neuen Outfit neuen und alten Aufgaben. Die Schwerpunktsetzung verlagert
sich ein wenig von der freien Kulturszene auf freie Kulturarbeit, was natürlich
ohne die Szene nicht denkbar wäre.
|