Klassisch.Unterirdisch.

Weltmusikzentrum öffnet sich für klassische Experimente: Katakomben-Theater Essen.

Önder Baloðlu, Konzertmeister bei den Duisburger Philharmonikern, möchte weitere Kreise mit der Klassik ziehen, an neuen Spielorten neue Menschen erreichen. Seine Konzertreihe im Katakomben-Theater ist ein Ohrenschmaus für alte und neue Klassikliebhaber und Menschen, die sich auf das Wagnis ebenso einlassen wollen wie Önder Baloðlu und dadurch womöglich zu Klassikfreunden werden. Das Katakomben-Theater bietet dafür ein ungezwungenes und unbelastetes Ambiente. Hier sind nicht nur Jazz und Weltmusik zuhause, sondern auch Klänge klassisch europäischer Musik.

Baloðlus Titel für das Konzert am 27. April 2015: «ALL THAT JAZZ» um 20.00 Uhr im Katakomben-Theater.

2005 kam Baloðlu mit 17 Jahren als Musiker nach Essen auf der Suche nach neuen künstlerisch-musikalischen Anregungen und mit dem Wunsch, neue Welten zu entdecken.

Nach 10 Jahren präsentiert er nun seine musikalischen Begegnungen in einer kammermusikalischen Konzertreihe im Katakomben-Theater.



Foto: Ulrike von Loeper

Möge ihnen diese Stille klingen

Anton Webern: Fünf Sätze für Streichquartett op.5 (1909)
Vier Stücke für Violine und Klavier op.7 (1910)
Sechs Bagatellen für Streichquartett op.9 (1913)
Bela Bartok Auswahl aus 44 Duos für zwei Violinen (1931)
D. Schostakowitsch Drei Fantastische Tänze für Violine und Klavier op.5 (1922)
Auswahl aus den 24 Präludien für Violine und Klavier op.34 (1950/51)
S.Prokofieff Auswahl aus Visions Fugitives für Violine und Klavier op.22 (1915-1917)
György Kurtag Auswahl aus Zeichen, Spiele und Botschaften (ab 1989)
Luciano Berio Auswahl aus Duetti per due violini (1979-1983)
Boris Yoffe Auswahl Aus dem Quartettbuch (ab 1995)

Önder Baloðlu, Violine
Bianca Adamek, Violine
Chaim Steller, Bratsche
Blanca Gorgojo, Cello
Cagdas Özkan, Klavier


«So eindringlich für diese Stücke die Fürsprache ihrer Kürze, so nötig ist andrerseits solche Fürsprache eben für diese Kürze.

Man bedenke, welche Enthaltsamkeit dazu gehört, sich so kurz zu fassen. Jeder Blick lässt sich zu einem Gedicht, jeder Seufzer zu einem Roman ausdehnen. Aber: einen Roman durch eine einzige Geste, ein Glück durch ein einziges Aufatmen auszudrücken: solche Konzentration findet sich nur, wo Wehleidigkeit in entsprechendem Maße fehlt.

Diese Stücke wird nur verstehen, wer dem Glauben angehört, dass sich durch Töne etwas nur durch Töne Sagbares ausdrücken läßt. Einer Kritik halten sie sowenig stand wie dieser und wie jeder Glaube.

Kann der Glaube Berge versetzen, so kann dafür der Unglaube sie nicht vorhanden sein lassen. Gegen solche Ohnmacht ist der Glaube ohnmächtig. Weiß der Spieler nun, wie er diese Stücke spielen, der Zuhörer, wie er sie annehmen soll? Können gläubige Spieler und Zuhörer verfehlen, sich einander hinzugeben? Was aber soll man mit den Heiden anfangen? Feuer und Schwert können sie zur Ruhe verhalten; in Bann zu halten aber sind nur Gläubige. Möge Ihnen diese Stille klingen!»

Mödling, Juni 1924
Arnold Schönberg, über die Sechs Bagatellen Weberns