Malüe!© - Die Optimisten!
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Der Deutsch - Schweizer und Maler, Grafiker, Illustrator und neuerdings Verleger Reto Malüe!©, lebt und wirkt seit den 80ern in Frankfurt am Main, hat ein Atelier in Witikon (ZH)/ Schweiz und nun ein Standbein auch im Ruhrgebiet. In der Tat ist der Exzentriker wie er leibt und lebt und wie es im Bilderbuch steht, das er selbst unter dem Titel ES KOCHT! entwirft, eine echte Marke für sich - ein Original, das für eine ganze Gattung und Richtung von einer Mischung aus Politik, Ästhetik, Kunst, Fiktion, Satire, Zynismus, Sarkasmus und sozialem Engagement stehen könnte wie Nutella einer ganzen Gattung von Schokoladenbrotaufstrich einen Namen gegeben hat. Ein Pars pro toto postmoderner Romantik, wobei die begrifflichen Etiketten abgegriffen wirken, wenn zu beschreiben ist, was einfach erlebt werden muss.

Es handelt sich nicht allein um die Ästhetisierung der Gesellschaft und des Lebens in der Tradition der Romantik des 19. Jahrhunderts, sondern auch um die Wiederaufnahme und Fortführung jener Bemühungen im 20. Jahrhundert, wie es ein Joseph Beuys verkörperte, aber eben nicht nur er - und vor allem: er nicht allein! Eine Strömung bedarf vieler Geister, die elementar und individuell ein Energiefeld erzeugen und sich an einem Kräftefeld ausrichten. Dieses Feld braucht Orientierungs- und Ankerpunkte sowie Verlinkungen, die den Sprung über den eigenen Schatten erlauben.

In schwindelerregendem Tempo will Malüe!© etwas initiieren, was vernetzt, verbindet, Synergien und Symbiosen sowie Netzwerke schafft. Wohin die Reise in etwa geht, drückt sich symbolisch in einem von ihm ästhetisch unterstützten Romanprojekt aus, das auch videographisch verarbeitet und beschrieben wurde. Der Titel ist Programm, das Programm längst nicht alles, was gemeint und intendiert ist: DAS HARDENBERG-PROJEKT. Nutella hat es geschafft - Malüe!© steht noch am Anfang.

Ob es die sufistisch angehauchte Philosophie und Praxis des in der Kulturlandschaft seltenen Pflänzchens eines interkulturellen freien Katakomben-Theaters und seiner KulturAkademie-Ruhr für kulturelle und ästhetische Bildung ist, was die Betreiber Kazým Çalýþgan und Uri Bülbül spirituell wie im künstlerischen Programm ein Gesicht geben oder ob es die NICHT NUR KROKUS-GEDICHTE des verstorbenen Philosophen Hans-Jürgen Gawoll sind, der Bektaschi inspiriert sich bei einem Aufenthalt für einen Lehrauftrag an der Istanbuler Universität zum Thema «Nietzsche und die europäische Philosophie» verliebte - die Fäden sind da, fliegen durch die Luft unsichtbar und manchmal nur im Sonnenlicht schimmernd und werden zu einer synästhetischen Idee gesponnen.

Es geht um nichts Geringeres als um die Idee der Freiheit, die im gleißendem Licht der in ihrem Namen betriebenen Hyperaktivitäten verloren zu gehen droht. Freie Szene, unzählige soziokulturelle Projekte, die von ahnungslosen Jurys kontingent gewürfelt nach Gießkannenprinzip im Winde von einer politischen Administration geschützt gefördert werden, deren Kunst- und Kulturverachtung, deren Geringschätzung der Ästhetik gegenüber von himmelschreiender Ignoranz geprägt ist. Auf den Lippen die Bekenntnisse im Sinn eine gähnende Leere! Um sie herum eine Menge hilflose Opportunisten, die meinen, um ihr Überleben kämpfen zu müssen. Was den schweizer Künstler ins Ruhrgebiet zieht und mit dem Ruhrgebiet verbindet, liegt jenseits der sattsam bekannten Klischeemarkenzeichen dieser Region. Nicht die Stahl-Kohle-Geschichte, nicht die Fördertürme stillgelegter Zechen, nicht die Industriedenkmäler, nicht der Strukturwandel und das schlagwortartige Bemühen um die Erschaffung einer Metropole Ruhr sind es, sondern Bekannt- und Freundschaften, wie sie eigentlich auch nur hier so in dieser Form hätten entstehen können und entstanden sind, auch wenn das Ruhrgebiet (noch) nichts davon weiß: Hans-Jürgen Gawoll promovierter Philosoph und Akademischer Oberrat an der Ruhr-Universität Bochum wirkte zu seinen Lebzeiten im Bochumer Hegel-Archiv, an dessen Hegel-Studien er redaktionell mitarbeitete. Gawoll am 10. März 1957 in Gliwice/Polen geboren, hatte neben seiner philosophischen Arbeit einen Hang zur Dichtung und Poesie, 1992 veröffentlichte er Prosagedichte über Irland: «Auf irren/irischen Wegen» und 1996 den besagten Gedichtband «Nicht nur Krokus-Gedichte aus Istanbul». Aus diesen trug er in zahlreichen Lesungen in musikalischer Begleitung des späteren Gründers und Leiters des Katakomben-Theaters Kazým Çalýþgan vor und unterhielt sich gerne mit ihm über Sufismus und die Bektaschi. Die Verbindung zwischen diesen beiden geistigen Strömungen in sich - auf der einen Seite der Rationalismus europäisch-akademischer und auf der anderen Seite die poetisch-orientalische Philosophie voller spiritueller Lebensweisheit - gelang Gawoll nicht, er lebte den Widerspruch in sich ohne dessen dialektische Aufhebung nach Hegel Manier. Sarkastisch und bissig schrieb er Vierzeiler, die sich im Stil und Weltempfinden mit Malüe!© zu einem weiteren Band mit Illustrationen als «Gedichte, die kein Leben schrieb» trafen. Von einem schier blasphemischen Pantheismus beseelt erteilen beide Künstler jeglicher klerikal verwalteten Religion eine Absage, bekennen sich zu einem «spirituellen Humanismus», wenn man unter «spirituell» nichts Esoterisches, sondern etwas Geistreiches verstehen will. Einig sind sich alle damals um 1996 wie heute wirkenden ästhetischen Freunde, ob Malüe!© , Kazým Çalýþgan, Hans-Jürgen-Gawoll oder Uri Bülbül, dass für sie und ihre ästhetische Philosophie, die in Musik, Literatur und Malerei gelebt wird weder esoterischer Kitsch noch klerikale Diskurse in Frage kommen. Wo sich der Sufismus einer Religionen übergreifenden Spiritualität öffnet, wo sich vitalistischer, lebens- und lustfreundlicher Pantheismus hedonistisch und liberal zu einem Humanismus vereinen, treffen sich die Kunstakteure mit neuen Initiativen, Einrichtungen und Ideen und wollen 2020 so manch einen Plan gemeinsam verwirklichen. Während das Katakomben-Theater in Essen unter Kazým Çalýþgans Leitung eine kommunale Würdigung durch die Erhöhung der institutionellen Förderung der Stadt Essen erfährt, gründen Malüe!© und weitere Freunde eine gemeinnützige Gesellschaft für Kulturelle Bildung unter dem Titel GLOBALKULTUR, die ihre Bildungs- und Veranstaltungsaktivitäten ab Februar 2020 aufnimmt und ihren Sitz in Duisburg hat. Während Hans-Jürgen Gawoll am 17. September 2004 verstarb und leider die Gründung des Katakomben-Theaters in Essen nicht mehr erleben konnte, bündeln Kazým Çalýþgan, Uri Bülbül und Malüe!© mit weiteren Freunden und ästhetischen Bündnispartnerinnen ihre Kräfte für neue Aktivitäten. In Duisburg entsteht mit Malüe!s© Unterstützung und Beteiligung eine gemeinnützige Gesellschaft mit beschränkter Haftung für kulturelle Bildung unter dem Namen GLOBALKULTUR. Mit zwei erfahrenen Kräften in sozialer Kulturarbeit, der Diplom. Ingenieurin Gökçe Yeþilyurt und der Diplommodedesignerin und Sozialarbeiterin Funda Çýnar, die gemeinsam mit Uri Bülbül im Katakomben-Theater das vom RVR (Regionalverband Ruhr) geförderte Projekt «Brücken & Begegnungen» durchführte entsteht in der Interkulturszene eine Gesellschaft mit speziellen Bildungsangeboten für Akteure wie für die Basis. Von Dialog-Methoden nach Martin Buber und Johannes Schopp, Mediation und Coaching und kulturphilosophischen wie theaterästhetischen Praktiken werden neue Impulse ausgehen, die theoretisch wie praktisch, künstlerisch wie sozial anspruchsvoll sein werden. Mit der Illustration der Bücher «Trau, schau, wem» und ein knappes Jahr später «Versuch!, Kafka neu zu denken» betritt er eine neue Phase seines Schaffens begleitet von Lungen- und Speiseröhrenkrebs. Statt sich resigniert auf die Nabelschau des Krankheitsverlaufs zurückzuziehen, besinnt sich Malüe!© zornig und lebensfroh auf die Weisheit «es gibt ein Leben vor dem Tod». Sein kritischer Blick richtet sich auf die Welt und er entwickelt sein Bilderbuch «Es kocht!» Der finstere, bitterböse Zynismus darin ist nur die eine Schicht der Bilder - eine weitere die den Menschen humanistisch suchende Spiritualität eines ehemaligen Sannyasin, der nach ärztlichen Prognosen schon Weihnachten 2017 nicht erleben können sollte. Im Glauben, sein letztes Buch zu machen erscheint «Es kocht!» in aller Eile und Malüe!© verschwindet noch im Oktober 2017 für Freunde und Kollegen unerreichbar; bald sind auch seine Handynummer und der Whatsapp-Account verschwunden, woraus nichts Gutes zu schließen scheint. Fakt aber ist: Malüe!© lebt! Der totgeglaubte Maler Malüe!© feiert seine «Auferstehung» mit den Worten: ´Ich sterbe! Dadurch lebe ich erst recht!` Seine sollte man, ideellen Würfe in die Zukunft machen, dann muss man nicht nur einmal das Wort «Projekt» wörtlich nehmen l. Und bei Malüe!© kann man einiges wörtlich nehmen - vor allem die Wut, mit der er seine Unzufriedenheit mit dem politischen, kulturellen und ökologischen Zeitgeist äußert. Malüe!© - ist und positioniert eine Marke, die für eine kreative und produktive Unzufriedenheit steht, an ihr manifestiert sich die Idee des existenzialistischen Engagements und des Ekels! Es kotzt ihn an und er kotzt es aus!

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