
|
Die längste Idiotie der Welt?Still-Leben RuhrschnellwegZweifellos ist es Ruhr2010 gelungen eine sagenhafte Massenmobilisierung hinzubekommen. Vereine, Schulen, Initiativen, Stadtteile - kaum jemand, der sich nicht präsentieren möchte; und bei dem sonnigen Wetter, kaum jemand, den die Neugier nicht auf die A40 getrieben hat. So sind die Massen da, hier und da Musikgruppen, Musikkapellen, Bands, Chöre, Stände mit Picknick-Atmosphäre, aber eine Frage bleibt: was hat das mit Kultur zu tun, außer daß Menschen freundlich und "friedlich", wie es in der 16.00 Uhr Pressekonferenz heißt, miteinander auf der Autobahn stehen und ihr Fahrrad schieben? Pleitgen und Scheytt feiern die Quantität der mobilisierten Menschen als den Beweis ihres Erfolgs, als die Stichhaltigkeit ihrer Logik, ihres Konzepts. Großspurig wird schon die Frage nach der Wiederholbarkeit des Ereignisses gestellt - so toll soll es gewesen sein! Zugleich verteilen still und wenig auffällig junge Menschen einen Flyer; sie haben in Essen in der Schützenbahn 11, 45127 Essen ein Haus besetzt und schreiben: ein Kunsthaus ist eröffnet! Die initiative Freiraum2010 hat das ehemalige, seit 3 Jahren leerstehende DGB-Haus besetzt und macht dort beginnend mit dem heutigen Tag, dem 18.07.2010 jetzt ein tägliches Kulturprogramm. Jeden Tag von 18h bis 22h! Sie laden zur Besichtigung ihrer Ausstellung «Kunst in der Enge», zu Musik und Gesprächen ein. Sie fordern kostenlosen Raum für Kunst. Das ist nicht unsymptomatisch für die Situation der Region: Vorzeigbares wird aufwendig und teuer inszeniert, herauskommt hirnloses Herummarschieren auf der A40, und die Quantität schlägt jedes Fragen nach Konzepten tot: es waren mindestens 3 Millionen Menschen auf der Autobahn. Ähnliche Zahlen schafft das Berufsleben tagtäglich mit Autos - Berufs- und Erwerbsleben ist Kunst, das können wir daraus schließen. Und ein nicht zu übertreffender Erfolg. Ansonsten kann man sagen, daß Kunstverstand heute auf der Strecke geblieben ist - auf dem Ruhrstillleben! Die Theater, die Orchester, die Bands, die Literaten, Museen und Kleinkünstler, wovon es eine sehr große Menge im Ruhrgebiet gibt, bleiben auf der Strecke. Ein Lob an die Herren Pleitgen, Scheytt und ihre künstlerischen Direktoren. Auch ein Herr Sloane könnte sich heute fragen, ob man nicht mit dem finanziellen Aufwand eines Ruhrstillebens sein Konzerthaus in Bochum hätte finanzieren können. Vielleicht kommt er in einer stillen Stunde auf die Idee, wo doch sein Day of Singsang -auch als Masseninszenierung konzipiert- verklungen ist. Uri Bülbül
|