Fotos: Uwe Faltermeier











Ein Warten, das sich sehen lassen kann!

Julie Stearns inszeniert Samuel Becketts "Warten auf Godot"


Professionell durch und durch

Samuel Beckett schrieb mit seinem Stück "Warten auf Godot" Theatergeschichte, schuf einen "Klassiker der Moderne" in den 50 Jahren des 20. Jahrhunderts. Am 05. Januar 1953 war Uraufführung in der Originalsprache Französisch: "En attendant Godot". Seit seiner Entstehung stellt "Warten auf Godot" einen Klassiker dar, der an Glanz, Reiz, Provokation, Aktualität nicht verliert. Und wer sich als Regisseur an dieses Stück "wagt", sucht nicht die eitle Selbstbespiegelung eigener Gedanken in einem vorliegenden Dramentext, den es nach eigener Phantasie und phantastischem Gutdünken auf die Bühne zu bringen gilt, sondern offenbart die eigene Ergriffenheit von Becketts Text bis ins Detail der Regieanweisungen.

"Warten auf Godot" frei zu inszenieren und eigenen Interpretationen Raum zu geben, führt entweder zum Dilettantismus oder zur bedauerlichen Einengung der Deutungsmöglichkeiten und offenen Fragen, die gerade so faszinierend und liebenswert sind, dass man sie um jeden Preis erhalten möchte. Werktreue wird in diesem Fall nicht als Zwang empfunden, sondern als Liebe zur Deutungsvielfalt und Offenheit des Werks. Wer "Warten auf Godot" inszeniert, will "Warten auf Godot" aus Becketts Text sichtbar und lebendig machen.

Mit Regie allein ist das nicht getan. Es bedarf dazu ausgezeichneter Schauspieler, die auch das scheinbar Schlichte der Wortwechsel, ihren Rhythmus, das Tempo und Minimalistische der Handlungen sprich Bewegungen durchdringen und verinnerlichen, um die Symphonie des Absurden adäquat zu präsentieren. Wo das Spiel im Spiel Akzente verlangt, wo Pointierungen leise aber eben vorhanden sein müssen aber wiederum auch nicht zu leise sein dürfen, kann der absurde Klassiker schnell in Grund und Boden versinken.

In Julie Stearns' Regie gelingt es Timo Knop (Vladimir), Alexander Kupsch (Estragon), Johannes Ulrich (Pozzo), Michael Skodda (Lucky) und Oskar Koch, einem bemerkenswerten Jungtalent, der eine sehr gefährliche, weil nur scheinbar einfache Rolle als Kind zu spielen hat, eine professionelle Inszenierung zu präsentieren. Eine Inszenierung, die den Vergleich mit städtischen Bühnen nicht zu scheuen braucht. Es wird vielmehr höchste Zeit, dass diese sich in ihrer selbst so viel gepriesenen Öffnung tatsächlich mal offen für Gastspiele aus der freien Szene auf ihren Bühnen zeigen. Julie Stearns und ihr Team liefern jedenfalls schon den überzeugenden Türöffner hierfür.

Uri Bülbül



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